Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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überdies Judentum Jllonatsfchrift für die religiösen Intereffen des Judentums herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutfdiland unter der Redaktion van vr. Caefar Seligmann, Rabbiner in frankfurt a. M. Na. 1 und 2. Jahrgang 7. Januar u. februar 1915. illorih Levin. Von vr. 6eorg Minden-Serlin. m Sonntag, den 13. Dezember 1914, verstarb im 72. Lebensjahre unter besonders ergreifenden Umständen der Prediger der Berliner Jüdischen Reformgemeinde Dr. Rloritz Levin. Die Zudenheit feierte ihr Thanukah- Fest. wie die Gestalten der Bibel vorbildlich für die ganze Menschheit geworden sind, so werden sich auch stets, wenn eine Nation für ihre heiligsten Güter das Schwert zieht, die Gedanken Aller auf die Zeit der Hasmonäer richten. Zn unsern Tagen ist ein Krieg entbrannt, so gewaltig, wie ihn die Weltgeschichte noch nicht gesehen hat. Darum war in diesem Zahre die Thanukah-Feier von ganz besonderer Bedeutung. Dies wird rnan überall empfunden haben. Zn dieser Stimmung stand Levin auf seiner Kanzel. Gr hatte mit Znbrunst die Makkabäerhymne mitgesungen. Seine Rede war so klar disponiert und so zu Kerzen gehend, wie nur je. Gr verglich die Gegenwart mit der Zeit des Zuda, das Heldentum seiner Schären mit der Tapferkeit unserer -Krieger. Seine Stimme erhob sich zu hohem Pathos: „Deutschland ist der Rlakkabi, der seine Feinde zerhämmert!" rief er aus, dann fand er wieder einen sanfteren Ton — nur für wenige Augenblicke. — „wir erstreben nicht die Weltherrschaft!" — Das waren seine letzten Worte. Gr sank vor der heiligen Lade um und verschwand hinter der Brüstung der Kanzel. Der Todesengel hatte ihn umfangen. Seine Gattin und sein jugendlicher Sohn befanden sich inmitten der andächtigen Gemeinde. Für diejenigen, welche dem Greignis beigewohnt haben, ist es unvergeßlich. Wir sind ja jetzt, wo jeder Tag Nachrichten bringt, daß so viele jugendliche Leben;, auch aus den uns nahe stehenden Kreisen, dahingerafft werden, gegen die Schrecken des Todes gestählt. Darum war auch bei Levin's Tode der Gindruck des verklärenden viel stärker als der des Erschreckenden. Am 16. Dezember haben wir ihn von der 30jährigen Stätte seines Wirkens aus zu Grabe geleitet. Zm Gotteshause sprachen Prediger Dr. Zelski und der Vorsitzende des Vorstandes, in weißensee der Prediger Dr. Lehntann und der Rabbiner der Berliner Synagogengemeinde Dr. Bergmann, sowie für die Literaturvereine Dr. Glbogen. Alle Redner hatten einen reichen Stoff. Denn es war ein reiches Leben, welches hier seinen Abschluß fand. Zn strengster Orthodoxie erzogen, rang Levin's Geist sich zu immer freierer Auffassung des Zudentums