Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- Seite 219 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Jugendbewegung 219 schaffen, auf dem warme Begeisterung, echte freudige Eingabe für die Schicksale des Vaterlandes emporblühten und heranreiften. Das Streben unserer Frauen, den Geist ihrer Rinder täglich reicher, das Gemüt tiefer zu entfalten, rieben der Liebe für Religion, Kunst, Literatur und Wissenschaft auch den wahren Patriotismus, der stets auf religiöser Grundlage rrcht, zu pflegen, fand seinen Höhepunkt in dem Wunsche, dem Vaterlande in ihren Söhnen vollbefähigte Staatsbürger, in ihren Töchtern weise, liebevolle Mütter, die dereinst in ihren Bahnen fortwirken werden, zu geben, hierin liegt die Macht und das Recht unserer Frauen, ihr Anteil an dem politischen Leben. Die Gleichheit, die unsere Frauen erstreben, haben sie insbesondere in dem hohen und tiefen Erfassen des Lebens und seinen Einzelerscheinungen gesucht. Sie haben gewetteifert, ihre Söhne zu Männern heranzubilden, die fähig sind zur ganzen vollen Pflichterfüllung gegen das Vaterland, zur höchsten Begeisterung, ihr Leben einzusetzen, wenn das Vaterland ruft, ihre Töchter auszurüsten, überall da energisch einzugreifen, wo Hilfe not tut, die Wunden des Krieges mit linder Hand zu heilen. So haben sie dem Patriotismus am besten gedient. Und mit welch hohem Flug vermag das Mutterherz dem Sohn zu folgen, selbst zur höchsten Höhe der Selbstverleugnung, da es gilt, das Vaterland zu schützen. war es doch eine Mutter, die dem Krieger, ihrem Sohne, den Schild reichte und in höchster Begeisterung auszurufen vermochte: „Mit ihm oder auf ihm!" Das Hochgefühl, dessen Gpferfähigkeit das Mutterherz im grauen Altertum mit dem höchsten Glorienschein umkleidet hat, empfinden auch die deutschen Mütter unserer Tage, deren Söhne in blutigen Schlachten kämpfen, um das Vaterland groß und frei zu machen. ÜU5 äer lugenäbewegung. Jüdisch-liberaler Jugendverein Kreslau. Die Wintertätigkeit wurde am \. Sept. mit einen: Vereinsabend eröffnet, der unter sehr starker Beteiligung in den Räumen der Religionsschule I stattfand. Der Versammlung, der auch unser Ehrenmitglied Herr Sanitätsrat Dr. Reich, beiwohnte, wurde vom h Schriftführer Herrn Ralph Lewin eröffnet und geleitet. Das Referat über den Anteil der deutschen Süden am Kriege \870/7\ hatte Herr cand. ph.il. Nellhaus übernommen. Sn sehr geschickter weise entledigte sich der Herr Referent der Aufgabe. Mit seinen von tiefer Sachkenntnis getragenen Ausführungen entrollte er den Zuhörern ein anschauliches Bild von dem wirken der deutschen Sude:: in der großen Kriegszeit, von ihren Heldentaten, ihrem Gpfersinn und von der Tätigkeit der jüdischen Seelsorger. Den Dankesgefühlen der Versammlung für das mit edler Begeisterung vorgetragene Referat gab der Unterzeichnete Ausdruck, der seine Ausführungen mit einem jubelnd aufgenommenen Kaiserhoch schloß. Zum Schluß ergriff Herr Sanitätsrat Dr. Reich das Wort zu einigen ergänzenden Mitteilungen. Der Herr Redner fügte warme Worte des Dankes und der Anerkennung für unser wirken hinzu, die unter den Anwesenden stürmischen Beifall auslösten. Uns allen wird diese von so prominenter Seite schon wiederholt zum Ausdruck gebrachte Würdigung unserer Bestrebungen ein erneuter Ansporn sein, für die Snteressen des liberalen Sudentums unter der Sugend weiter mit Ausdauer und Fleiß zu wirken. Vor Beginn der Versammlung fand eine Besprechung der weiblichen Vereinsmitglie-