Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 9 (September 1914)
- Date
- 1914-09-01
- Page
- Seite 196 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Rundschau: Sreslau — Aus Kayrrn hoffentlich folgen den jetzigen ernsten Tagen wieder Tage des Friedens, in denen wir dann unsere volle Vereinstätigkeit wieder aufnehmen können, zum heile der Interessen des liberalen Judentums. Mögen dann die Worte, die unser Glaubensgenosse, der Reichstagsabgeordnete Stadtrat Dr. Ludwig Haas in der Stadt „Gabriel Riessers" prägte, in Erfüllung gehen: „Eine Zeit soll kommen, da wird die Durchführung der Menschenrechte und die Schaffung der völligen Gleichberechtigung aller Konfessionen der Ruhmestitel Deutschlands sein." Breslau, Ende August i Turt Bvi enitz er. Aus Sayern. Die Juden in der A r m e e. Als im Jahre 1870 das Vaterland seine waffenfähigen Söhne zum Kriege gegen Frankreich rief, da erfüllten selbstverständlich auch die Soldaten jüdischer Religion ihre Pflicht. Nach außen hin trat dies jedoch nicht so sehr in die Erscheinung, waren doch erst drei Jahre vergangen, seitdem die allgemeine Wehrpflicht auch in Bayern zur Einführung gelangte, erst zwei Jahre seit der Errichtung des einjährig-freiwilligen Dienstes. So kam es denn, daß die a k t i v e Beteiligung der Juden in Bayern sich in dent Kriege in engen Grenzen hielt!und in einzelnen Regimentern wie dem meinigen (Inf. Leib.-Rgt.) nur vereinzelte Glaubensgenossen mit ausmarschierten. Aber diese wenigen waren erfüllt von dem Gelöbnis : mehr tun zu müssen als ihre vor geschriebene Pflicht; gerade weil sie Juden waren. Und sie Haben es erfüllt. wer von den bayerischen Offizieren und Soldaten jüdischer Konfession überhaupt aus dem glorreichen Kriege zurückkehrte, tat es mit Ehren; auf vielen Uniformen prangten Auszeichnungen. wie ganz anders stellt sich die Beteiligung in unseren Tagen. Die Statistik wird es ja ziffermäßig belegen, wie groß der Anteil der jüdischen Soldaten auch in Bayern ist; schon heute steht es nach' allgemeinen Erscheinungen fest, daß die Zahl eine außerordentlich große, prozentual den übrigen Konfessionen mindestens gleichwertige sein wird. Besonders wird dies im Stande der Unteroffiziere der Reserve, Landwehr und des Landsturms sein, da die Zahl der seit Jahrzehnten jährlich als Einjährig^Freiwillige zugegangenen Juden gerade in Bayern eine besonders hohe gewesen. Aber auch unter den Reserveoffizieren finden sich zahlreiche Namen und auf dieses Reservatrecht ist Bayern mit Recht stolz. Gehen wir aber weiter und lassen wir die Ziffern der freiwilligen Kriegs^- Helfer Revue passieren, so werden wir auch hier die Tatsache konstatieren können, daß die Juden von dem gleichen glühenden jDatriotismus, der sein höchstes, das Leben geben will, erfüllt sind wie die Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften, fktt sich doch beispielsweise in München ein nur aus Juden bestehendes Studentenkorps in corpore zum Dienste gemeldet, hoffen wir, daß — angesichts dieser begeisterten Eingabe an das teure Vaterland — im wiedergewonnenen Frieden jedes noch be^- stehende Vorurteil schwinden und wir uns die Gleichberechtigung in allen Kontingenten auf der Wahl statt erkämpft haben werden. Wilhelm j)rager. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 22. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Gleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Gasse 6.