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Liberales Judentum · 1914-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1914) · p. Seite 156

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 156 (sequence 40)
Language
German
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156 Küchersscharr stündlich zu machen, dabei wird insbesondere die Arbeit der beiden großen mittelalterlichen Gelehrten, Raschi und Maimonides, gewürdigt. Beiden Heften ist ein aufmerksamer Leserkreis zu wünschen. Diene mann - Balibor. Förvenberg, Jakob, Aus Mer Gurken. Bei Egon Fleische! & Go., Berlin. 191V 8°. 295 5. Preis geb. 2TT. — Gin schönes Borrecht der Dichter ist es, den Garten der Erinnerung mit tausend duftenden Blumen zu schmücken. Dem Dichter gestaltet sich alles das zum inneren Erlebnis, woran die anderen oft achtlos vorübergehen, und in der Erinnerung erhöht sich ihm die Freude, vertieft sich ihm der Schmerz; die Sehnsucht nach dieser längstentschwundenen Rinderfreude, diesem Rinderschmerz, nach der Jugend glühendem Hoffen und stürmischen Sehnen ist es wohl, was den Dichter so oft dazu treibt, uns von seiner Jugend Tagen zu erzählen und diese Tage mit Blumengerank und Laubgewind zu schmücken. Bor mir liegt ein stilles, tiefes Buch, still wie der kleine verlorene Erdwinkel in westfalen, in den es uns versetzt, und go'ldklar und tief wie die zwei Quellen, aus denen des Dichters Seele Nahrung geschöpft. Das Märchen seines Gebens erzählt uns Jakob Löwenberg in seinem Roman: „Aus zwei Quellen", und wenn auch die äußeren Geschehnisse gewiß nur zum Teil der Wirklichkeit entsprechen, das innere Erleben des Dichters offenbart sich denen, die hineinhorchen können in eine reine, stolze Rnabenseele, in ein sehnsüchtiges, liebendes und starkes Menschenherz. „Junge, was willst Du werden?" „Lehrer". Das ist der Wunsch des kleinen vierjährigen Bübchens in dem einsamen Haidedorf, vorerst wohl nur verständnislos den Erwachsenen nachgeplappert, aber dann nach und nach so fest verankert in der Rnabenseele, daß nicht die bitterste Not und Zurücksetzung diesen Borsatz' vernichten können. Und Lehrer ist 'der kleine Rnabe geworden mit der ganzen glühenden Liebe zu seinem Beruf, einer Liebe, die nur noch durch die heiligste Liebe im Menschenherzen, der Liebe zu seiner Mutter übertönt wird. Diese Liebe zu seiner Mutter, der einfachen, schlichten Frau mit dem klaren verstand und dem goldenen Herzen durchklingt das ganze Buch wie leiser Harfenton. Die alte Frau fühlt mit dem Sohne alle Freuden und Leiden seiner. Jugend, sie verkörpert für ihn, nachdem der fromme Vater gestorben, das Judentum, das ihn mit unzerreißbaren Banden fesselt, und das doch in seiner Seele genug Raum läßt, sich ganz als Deutscher zu fühlen. Und als er dann die bitterschwere Erfahrung machen muß, daß man ihm, um seines Glaubens willen, die Anstellung als Lehrer versagt, da tröstet ihn die alte Frau: „wenn's weiter nix ist.-Gott sei Dank, daß Du bei mir sitzest." Nichts erzählen möchte ich aus dem Inhalt dieses Buches, das uns den Dichter so menschlich nahe bringt; das hieße die feine Schönheit der Dichtung zerstören, etwa, wie wenn wir ein Gemälde, die schwermutvolle Haidelandschaft eines Meisters, in Stücke zerlegen wollten. Jeder Leser möge selbst mit dem Dichter durch seiner Rindheit Land wandern,, mit ihm den Ronflikt fühlen, der von seiner Jugend Tagen an als Weggenosse durch sein Leben geht und der doch in der Seele des Dichters sich zur harmonischen Einheit löst, so daß wir ihn als den deutschen Dichter mit dem starken bewußt jüdischem Empfinden und Wollen grüßen dürfen.- Löwenberg, der uns in seinen Gedichten schon so viel Warmes und Tiefes geschenkt, mit diesem Werk hat er sich uns selbst geschenkt. Rann uns ein Dichter etwas Größeres schenken? Ella Seligmann. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 49. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt L Gleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Gaffe 6.

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