Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Liberales Judentum ITlonafsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutfdiland unter der Redaktion van vr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. IR. Ho. Z. Jahrgang 6. fflärz 1914. Der Sederabend in B’ne B’rak. von Rabbiner Dr. Florden-Clberfeld. er kennt nicht die kurze Erzählung aus unserer peßach - Haggadah von jenen fünf bedeutenden Gelehrten aus dem zweiten Jahrhundert, die sich zur Feier des Sederabends zusammengefunden hatten, und die ram die ganze Nacht hindurch vom Auszug aus Egypten sprachen, bis ihre Schüler kamen und sie daran erinnerten, daß es schon Zeit sei, die Morgenandacht zu verrichten. B'ne B'rak, so hieß der Drt, wo jener denkwürdige Sederabend begangen wurde, ein Drt, der dadurch berühmt geworden ist, daß ein R a b b i A k i b a daselbst sein Lehrhaus besaß. Warum die übrigen vier Gelehrten zur Zeit des Festes dort weilten, anstatt, wie üblich, das Fest im Familienkreise zu begehen, darüber hat unser Schrifttum uns nichts überliefert, vermutlich waren sie zu einer wichtigen Besprechung zusammengekommen und hatten ihre Beratungen nicht mehr vor dem Beginne des Festes zu Ende führen können. Indessen wollten sie auch fern von ihren Frauen und Rindern die Feier des Sederabends nicht vernachlässigen, und so vereinigten sie sich denn zu diesem Zwecke im Kaufe des Rabbi Akiba, ein wahrhaft erlesener Rreis. Zum Pefjachfeft. Als erster wird Rabbi Elieser ben f} Y r f a n o s genannt, ein strenger Charakter von eiserner Beharrlichkeit. Er hatte noch zu den Füßen des Iochanan ben Sakkai gesessen und dann später in Lydda ein eigenes Lehrhaus errichtet. Wie er schon gegen den Willen seines Vaters das Studium der jüdischen Wissenschaft ergriffen hatte, so bestand er sein ganzes Leben lang unbeugsam auf seiner eigenen Meinung. Diese seine Meinung aber gipfelte in dem Satze: „Nichts Neues darf im Judentum in die Erscheinung treten. Berechtigung hat nur, was'uns von früheren Zeiten her einwandfrei überliefert worden ist." So lehrte Elieser und so lebte er. Wohl fand er mit seiner starren Auffassung bei seinen Zeitgenossen keine Gegenliebe, wohl wurde er, eben um der Betätigung seiner Auffassung willen, von dem Patriarchen Rabban Gamliel, seinem eigenen Schwager, mit dem Bann belegt. Allein dieses äußere Machtmittel, so schwer es Elieser traf, war gleichwohl nicht imstande, den aufrechten Mann von seiner religiösen Ueberzeugung abzubringen. Neben ihm erblicken wir Rabbi Iosua ben Chananjah, Handwerker und Gelehrter in einer Person; im Gegensatz