Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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SV . ot> 20 i Aus der Jugendbewegung verfolge. Ls ist Sache des Glaubens und der Ueberzeugung, welche Sprache und Kultur der Einzelne höher bewerten will, niemals Sache der Ueberredung. Die Gefahr des Uebertritts besteht im Zionismus, der die Religion doch als Privatsache erklärt. — Der Abend war ein glänzender Erfolg für unsere Sache und Herrn Rechtsanwalt Dr. Jaffa kommt auch an dieser Stelle noch unser herzlichster Dank zu. Ueber die jüdische Volksschule. Vortrag von Prof. Slaschke im Jüdisch-liberalen Jugendverein Serlin am Dezember ^<5. Das zur Erörterung stehende aktuelle Problem und die Person des Referenten hatten dem Verein eine erhebliche Anzahl jüdischer Lehrer als Gäste zugeführt. Herr Professor Blaschke kam in seinem von gediegenster Sachkenntnis, großer Erfahrung und gleicher Beachtung der Realitäten des Lebens wie der idealen Forderungen zeugenden Referat, zu folgendem Resultat: Die jüdische Volksschule sei, wo sie be- . stehe, zu erhalten und zu pflegen; wo sie in den Kleingemeinden nicht bestehe, solle man sie einführen; in den Rlittelgemeinden sei die Frage der Einführung nach den Verhältnissen des Einzelfalles zu beurteilen; in den Großgemeinden sei eine Errichtung neuer jüdischer Volksschulen nicht wünschenswert. Diese Stellungnahme begründete der Referent aus den verschiedenen Bedürfnissen der jüdischen Kinder in den verschiedenen Gemeinwesen heraus und aus der Stellung der Juden zu der nichtjüdischen Bevölkerung. Er würdigte auch die Stellung der jüdischen Lehrerschaft und betonte, daß für diese bis zur Einführung der Simultanschule, die er als Erstrebenswertes Ziel für alle Liberalgesinnten hinstellte, neben den wertvollen Kosten in den jüdischen Volksschulen der Kleingemeinden auch eine Anstellung an den jüdisch-christlichen Schulen als Religionslehrer mit der Berechtigung, auch in anderen Fächern Unterricht zu erteilen, einen gewissen Ersatz biete. Zum Schluß behandelte Herr Professor Blaschke auch die politischen Gründe, die gegen eine Vermehrung der jüdischen Volksschulen sprächen; er betonte jedoch, daß diese erst in zweiter Linie ständen. Lebhafter Beifall dankte dem Redner. In der überaus anregenden Diskussion, die sich bis in die Nacht hineinzog, vertraten u.. a. die Herren Lehrer Remak. und Simson den Standpunkt des Referenten, während die Herren Lehrer Auerbach und Hauff und Herr Dr. Fink für die Einführung der jüdischen Volksschule auch in den Großgemeinden eintraten. Letzterer bekannte sich als grundsätzlichen Anhänger der Konfessionsschule, während für die übrigen Freunde der jüdischen Volksschule der leitende Gedanke der war, daß bei den innerpolitischen Verhältnissen die Einführung der Simultanschule völlig aussichtslos sei, und daß durch das Ueberwiegen der christlichen Schulen für die jüdischen Schüler Schwierigkeiten und Gefahren entstünden, bei den jüdischen Lehrern aber sogar ein materieller Notstand hervorgerufen würde. Der Abend bot eine höchst wertvolle Belehrung über das behandelte, so heiß umstrittene Problem. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 49. Für die Redaktion und dm Verlag verantwortlich Dr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Gleiber. Frankfurt a/Ät.. Bieber-Taffe 6.