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Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Hiberales Judentum ITlonatsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums kerausAegeben von der Vereinigung kür äas liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion von Di. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. IR. No. 12. Jahrgang 5. Dezember 1913. Die Religion Israels im Ochte Von fügen Cetoin-Dorkh. ereits im neuen Testament finden wir allerwärts die Auffassung vertreten, daß die Religion des alten Testamentes in derjenigen des neuen ihr Ziel und ihre Erfüllung gefunden habe. Von der Stellung des Apostel Paulus zum mosaischen Gesetze sagt Heinrich weinet): „Das war kein ungeschichtlicher Bruch mit der alten Religion, das war ihre Uebernahme in die neue als ein „aufgehobenes Moment" in einer höheren Existenz. Darin beruht die Weisheit und Größe'dieser Geschichtsbetrachtung des Paulus . . . Das Gesetz wird nicht bloß durch einen aufgezwungenen Schriftbeweis -ungefährlich gemacht, sondern innerlich ausgenommen in die neue Religion als ein Vorstadium und eine Durchgangsepoche."?) Im Besonderen istes das Evangelium nach Matthaeus, das unausgesetzt bemüht ist, darzutun, daß zahlreiche Stellen im alten Testamente nur dadurch zu verstehen sind, daß sie als Weissagungen, als geheimnisvolle Antizipationen von Jesu Leben und Lehre gedeutet werden. „Auch von dem Zukünftigen hat uns der Herr einen Vorgeschmack *) Biblische Theologie des neuen Testamentes 1911, S. 372 f. 2) Von mir gesperrt. der Chriffologie. gegeben," heißt es in dem apokryphen Barnabasbrief. Sache einer besonderen Erkenntnis — Gnosis — ist es, jene alttestamentlichen Aussprüche in diesem Sinne zu durchleuchten. vor allem sind es nun die mefsianischen Weissagungen in den Schriften der Propheten, die auf den Messias Jesus gemünzt sein sollen. Die Bücher des alten Testamentes sind voller Hinweise auf Zukünftiges, voller Andeutungen und Ausblicke. „Die ganze Mythologie der hebräischen Haushaltung war nichts als ein Typus einer transcendenteren Geschichte, der Horoskop eines himmlischen Melden, durch dessen Erscheinung alles bereits vollendet ist, was in ihrem Gesetze und in ihren Propheten geschrieben steht."3) Das ganze Schicksal des Volkes Israel, in welchem sich der erzieherische Wille der göttlichen Vorsehung deutlich offenbare, sei auf das Erscheinen Jesu von vornherein angelegt gewesen. Dieses wäre das eigentliche Ziel des göttlichen Willens, die vorauf gegangenen (Offenbarungen, die Israel zu Teil wurden, nur Mittel und Wege, die daher nur im Hinblick auf dieses ihr Ziel Sinn und Gehalt besäßen. Das ungefähr ist in großen Zügen die grundsätzliche Stellung der neutestamentlichen 3) Johann Georg Hamann.

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