Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 163 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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o o 0. o 163 Nnndschau: Berlin — Königsberg i. Pr. des Tiergartenhofes eine Versammlung seiner Mitglieder und Freunde. Das Referat hatte Herr Dr. Salomonski-Berlin übernommen. Er sprach über die bevorstehenden Repräsentantenwahlen. Von den Leistungen der liberalen Repräsentanten während der letzten 3 Jahre ausgehend, wies der Redner auf die Forderungen hin, die in Zukunft an die Vertreter der Gemeinde zu stellen sein werden, wie bisher auf allen Gebieten der religiösen Betätigung, auf dem Gebiete des Gottesdienstes, der Schule, der Armenpflege, der Durchwanderer-Fürsorge, der Beamtenanstellungen, der Gehälter usw. usw. Großes geleistet und erreicht worden ist, so muß auch weiterhin auf allen diesen Gebieten fortgeschritten werden. Der Redner gab alsdann einen historischen Reberblick über die Entwicklung des modernen Liberalismus und verglich die Zeit vor der Emanzipation mit der Entwicklung, die das Judentum seit seiner Emanzipation genommen hat. Alles, was an Umänderungen und Neuschöpfungen in der Gemeinde hervorgebracht worden ist, ist aus der Forderung der neuzeitlichen Verhältnisse heraus notwendig gewesen und hat zur Vertiefung und zur Erhaltung des Judentums sowie zu seiner gesunden Fortentwicklung in der Gemeinde beigetragen. Noch niemals hat sich die Notwendigkeit des Liberalismus mehr erwiesen als gerade in der Jetztzeit, wo von einer gewissen Seite aus gearbeitet wird, um die Einheit im deutschen Judentum zu sprengen. Da sei für den Liberalismus die höchste Aufgabe gegeben: diesen separatistischen Bestrebungen mit aller Kraft entgegenzuarbeiten und die Einheit des deutschen Judentums für alle Zeit zu gewährleisten. Der Redner beschäftigt sich sodann im einzelnen mit den Gegnern des Liberalismus, von denen er als besonders gefahrvoll den Zionismus und die separatistische Orthodoxie hinstellt. Er schloß mit einem warmen Appell an die Versammlung, dafür zu sorgen, daß die bisherige Majorität der Liberalen in der Repräsentanten-Versammlung auch weiterhin erhalten und gestärkt werde, und daß alle liberalen Elemente sich zu diesem Zwecke für die bevorstehende Wahlagitation zusammenschließen und energisch ans Werk .-gehen müssen. Der Vortrag fand den lebhaftesten Beifall der Versammlung. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte und interessante Diskussion über verschiedene Angelegenheiten der Gemeinde, über die Fragen der Dezentralisation, der Abänderung des wahlmodus, der Steuerverhältnisse und der wahlorganiisation. An der Diskussion beteiligten sich u. a. die Herren Direktor Blinden, Wölpe, Großmann, Amtsgerichtsrat Kalischer, Stadtrat Gimkiewicz, Stadtverordneter Salinger, Professor Blaschke, Jonas und der Vorsitzende der Versammlung selbst, Herr Justizrat fAonsker, der verschiedene an den Verein gestellte Anfragen zur Zufriedenheit der Versammlung beantworten konnte. Die Versammlung zeigte, daß das Interesse für die jüdischen Gemeindeangelegenheiten unter den Liberalen Berlins wach ist, und daß sich immer weitere Kreise zur Rlitarbeit bereitfinden. Sch. Königsberg i. Pr. Zu Mittwoch, den 6. Mai d. I. hatte der sich „neutral" nennende Gemeindeverein Herrn Rabbiner Dr. Kopfstein aus Beuthen geladen. Das Thema des Redners lautete: „wie stellen wir uns zu den Richtlinien?" Der Leiter der Versammlung, Herr Rechtsanwalt Dr. Kahane, bezeichnete es in seiner Eröffnungsrede als gerecht, auch einen dritten Redner in Königsberg zu Worte kommen zu lassen, nachdem vor einigen Wochen zwei Herren in zwei verschiedenen Kreisen diese oder ähnliche Fragen behandelt hätten. Nun läßt sich ja darüber streiten, ob dieser „neutrale" Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seinen — allen Richtungen ungehörigen — Mitgliedern von den Vorgängen innerhalb der Gemeinde in objektiver weise Kenntnis zu geben, ob dieser Verein, anstatt erst eine abwartende Stellung einzunehmen und dann einen jener Herren einzuladen, die den Bannfluch gegen die Richtlinien-Rabbiner geschleudert hatten, nicht vielmehr die Verpflichtung gehabt hätte, bald nach dem Bekanntwerden der Richtlinien in neutralem Verhalten Vertreter verschiedener Richtungen an einem Abend sprechen zu lassen. So wie es jetzt geschah, war von Neutralität wirklich nichts mehr zu spüren.