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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. Seite 144

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 144 (sequence 24)
Language
German
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144 Gedichte eines deutschen Juden denen die erdrückende Rlajorität der deutschen Juden, mögen sie noch so fortschrittlich gesinnt und freidenkend sein, in gar keinem inneren oder äußeren Zusammenhang steht. Sind wir doch fest überzeugt, daß ein starkes konstitutionelles Königtum bei verfassungsmäßigen Schutz aller gleichberechtigten und, gleichverpflichteten Staatsangehörigen für die Deutschen von höherem Werte ist, als die Unsicherheit und das mit dem Ehrgeiz einzelner Emporkömmlinge eng verbundene Parteigetriebe republikanischer Einrichtungen. Zeigt sich also keine von den Antisemiten gegen ihre jüdischen Mitbürger erhobene Anklage als stichhaltig, ,"so sollten es sich die Herren dreimal überlegen, ob es politisch, wirtschaftlich und sozial richtig ist, die Entfernung der Zuden aus dem gemeinsamen Vaterlande zu betreiben oder als Reaktion gegen den Antisemitismus eine Bewegung unter den Juden großzuziehen, die als letztes Ziel die freiwillige Auswanderung aus dem deutschen vaterlande ins Auge faßt. ' Die Mutter Germania ist groß und stark genug, die verschiedensten Rassen, Stämme und Bekenntnisse unter ihrem wallenden Purpurmantel zu vereinigen. Sie wird auch ferner für die von der Vorsehung ihr zugeführten und in unwandelbarer Treue ihr ergebenen Bekenner des alten Testaments eintreten. Sie wird nie zulassen, daß verblendete, haßerfüllte und fanatische Volksbeglücker es .durchsetzen, friedliche und fleißige Bürger ihres Glaubens und ihrer Abstammung wegen in Heimat- und vaterlandslose Flüchtlinge zu verwandeln. kinkeki' unä Nbwekr. 6eclickite eines deutfchen Juden von frnil Spiegel-Prag. Züdi s ch e Sie lieben's auch, das Judentum, Doch nur mit etwas saurer Miene, Die Liebe gilt vergangenem Ruhm, Des ' Herzens Neigung der Ruine. So wohnt im Schlosse, das verfällt. Der alte Herr als sein Verwalter, Er will nichts mehr von dieser Welt, Er liebt in ihm sein eigenes Alter. Die Zugend freilich wohnt schon lang Zn dem modernen Haus, im neuen. Er aber rechnetes ihr zu Dank, Daß er das alte darf betreuen. Wie man das Neue auch verschönt, Er kann für sich kein besseres denken; Zhn, der einmal daran gewöhnt, Zhn würde selbst ein Umbau kränken. Und kommen Freunde, um den Bau Zn seinen Teilen zu besehen, Er zeigte das Kleinste drin genau, Erzählt auch gern, was drin geschehen. Romantiker. Dann aber, plötzlich abgekühlt, Meint er mit sinkendem Vertrauen, Daß es sich doch weit mehr empfiehlt. Den stolzen Neubau anzuschauen. ~ Nicht also wir! Der Väter Haus Soll uns noch manche Arbeit lohnen. Wir ziehn noch lange nicht hinaus. Noch unser Enkel soll drin wohnen. Wir lieben's ohne Selbstbetrug, Und, seh'n wir manche Säule wanken. Wir wissen: es ist stark genug, Uns die Erneuerung.zu danken. Zst anderes dem Sturz geweiht, Wir sehen es mit Ruhe fallen; Der Grund ist fest und mit der Zeit Erstehen da ganz neue fallen. Der Liebe nicht bedürfen wir, Die sich in die Romantik flüchtet, Nein, offenen Kampf und Fehde ihr, Wenn sie Lebendiges vernichtet!

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