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Liberales Judentum · 1913-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1913) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Oberelles Judentum Ulonatsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdtland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in frahkfürt a. Hl. No. 6 und 7. Jahrgang 5. Juni u. Juli 1913. Offenbarung, Von Rlax Wiener-Stettin. as religiöse Erlebnis, wie es ungebrochen und unbefangen in der menschlichen Seele wohnt, wurzelt in der Ahnung eines Seins, das niemals von dem voll e n Tageslicht der Erkenntnis bestrahlt wird, wenn es uns erfüllt, da wird dem Geiste in schwankender tastender Empfindung das walten jenes tiefen Geheimnisses kund, das der ewig verborgene unsichtbare Träger des Hellen sichtbaren Lebens ist. Das ist das Religiöse an der Religion, daß sie dem Dasein, in dem wir uns — allen unbegrenzten Möglichkeiten zum Trotz — seinen Grundrichtungen nach so wohl auskennen, ein Fundament unterbaut, das von andersher in diese Welt hineinreicht. Darum ist auch hier die Aardinaltugend, die erste Regung des frommen Empfindens, ehrfürchtige Scheu vor dem Unbegreiflichen, dem Unwißbaren, das doch gläubigem Sinn gewisser dünkt als alle Hellen klaren Dinge. Aber solche Gewißheit kann nicht das Geheimnis wirken, nicht das ungelöste Rätsel, der unsichtbare Gott; die würden ewig jenseits unseres Geistes bleiben. Das Geheimnis jenes Seins, die andere Welt, das Dunkel des Göttlichen: sie rühren an die Seelen der Menschen nur, indem sie sich zugleich enthüllen, indem sie aufhören, ganz dunkel und verborgen zu sein. Gott kann für uns nur Gott werden, wenn er sich offenbart. 3n der religiösen Verkündigung vernehmen wir einen seltsam auffallenden Ton: sie redet oft von Dingen, die ganz und gar nicht klar sind, die '"sich dem Rahmen des von uns sonst Erlebten, des uns möglich Scheinenden nicht recht einstigen wollen; aber sie spricht von ihnen mit der Sicherheit der festesten, nicht zu erschütternden Ueberzeugung; im Tone einer Gewißheit, wie sie nur das Bewußtsein der letzten und tiefsten Wahrheit erzeugt. Dem Gläubigen ist sein wissen von Gott und Göttlichem viel gewisser und zweifelsfreier als irgend welche Renntnis von menschlich irdischen Dingen. Das Geheimnis des Seins, auf das ihn die Religion hinführt, ist ihm keinen Augenblick nur eine Frage; sondern immer zugleich auch Antwort, wenigstens ein Teil der Lösung. Denn er erfährt vom Geheimnis nur im Erlebnis der Offenbarung; wird des Dunkels nur inne als des Schattens, der von dem Licht sich abhebt. Doch welcher Art ist das Geheimnis, das die Religion offenbart? Und was will die Offenbarung, wenn sie seinen Schleier

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