Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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o o 0 0 99 Wer will die Einheit des deutschen Judentums zertrümmernd Auch innerhalb eines freiwilligen Verbandes, wie des „Deutsch-Israelitischen Geineindebundes", dem von 2500 deutschen Gemeinden nur etwa 1000 angehöreu, haben die religiösen Gegensätze zwischen Klein- und Großgemeinden in den letzten Jahren zu erbitterten Kämpfen geführt, obgleich sich eine große Reihe entschieden orthodoxer Gemeinden dem Bunde von vornherein grundsätzlich fernhält, der Einfluß der Orthodoxie also dort sehr gering ist. Uliter diesen Umständen kann iu einem ans Gewissensfreiheit aufgebanteit Staatswesen keine Rede davon sein, die in ihrer ungeheuren Mehrheit religiös - konservativen kleineren Gemeinden durch das Mittel finanzieller Interessen mit den liberalen Großgemeinden zu einheitlichen Rechtsgebilden zu vereinigen, bereit Voraussetzung die hier völlig fehlende Gleichheit der religiösen Ucberzengnug seilt ntiißte. Was durch freiwillige Beiträge von Geineinden int einzelnen geschehen kann, um die schwierige Lage der kleinen Gentciitdeti zu erleichtern, wird seit Jahrzehnten seitens unserer Vereinigung sowohl als des Deutsch-Israelitischen Geuteindebundes geleistet. Alleitt diese Leistungen reichen keiiteswegs hin, um dem intmer dringenderen Bedürfnis zu entsprechen, und es rechtfertigt sich somit unsere Bitte, den Antrag Cassel - Dr. v. Campe nicht an unerfüllbare Vorbedingungen zu knüpfen, sondern ihn alsbald zum Beschluß zu erheben mit der Maßgabe, daß die Verteilung seitens der staatlichen Behörden unmittelbar an die einzelnen Synagogengemeinden erfolge. Wir verharren eines Hoheit Hauses ehrfurchtsvoll ergebener Vorstand der „Freien Vereinigung für die Jnteresseit des orthodoxen Judentums". Rabbiner Dr. S. Breuer, Vorsitzender. Die Petition ist ohne Einfluß geblieben, da die Angelegenheit schließlich bei der 3. Lesung nicht mehr zur Sprache kommen konnte. Wir aber halten uns für verpflichtet, ohne zur Zeit auf seinen Inhalt naher einzugehen,*) dieses Dokument eines religiösen Fanatismus niedriger zu hängen. *) A n m e r k u n g. Don den vielen Unrichtigkeiten, die in der Petition an das Abendlich einmal war Aussicht vorhanden, für die Juden einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit gegen widerstrebende Elemente durchzusetzen. Da greift die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums (Sitz Frankfurt a. Ul.) hemmend ein. Offenbar nimmt sie an, daß eine ihr günstige politische Konstellation vorliegt. Diese nutzt sie aus, um die einer anderen religiösen Richtung Angehörigen herabzusetzen, während doch eine Benachteiligung der orthodoxen Gemeinden bei den staatlichen Zuwendungen völlig ausgeschlossen war, und ohne Rücksicht darauf, ob durch ihr Vorgehen das für alle preußischen Juden erhoffte Werk vernichtet wird. Deutsche Juden! Oeffnet Euch dieses Vorgehen nicht die klugen?! Wer ist es, der die Einigkeit des Judentums zerstört und die Religion für seine Sonderzwecke mißgeordnetenhaus stehen, möchten wir hier und zur Zeit nur eine richtig stellen. Die „Freie Vereinigung" brüstet sich damit, daß 200 deutsche Rabbiner die Erklärung gegen die 65 liberalen Rabbinerabgegeben hätten. Sieht man genauer zu, so haben nur (65 Rabbiner unterschrieben. Davon haben 26 doppelt -unterschrieben, so daß in Wirklichkeit nur (3H übrigbleiben, von den (39 sind etwa 50 Seminar-Dozenten, Klausrabbiner, Lehrer und dergleichen. In Wirklichkeit stehen sonach den 65 beamteten liberalen Rabbinern 90 beamtete orthodoxe gegenüber, von den 90 sind aber auch weiterhin 60 Rabbiner in losgelösten Separat-Gemeinden oder Rabbiner in winzigen Zwerggemeinden, so daß den 65 angesehenen beamteten liberalen Rabbinern in Wirklichkeit von den Unterzeichnern beider orthodoxer Erklärungen nur 25—30 gegenüberstehen, die in beachtenswerten Gemeinden in Anrt und Würden sind.