Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 96 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Nrmdschan: München 96 o O o o gung irt’s Ghetto herbeigeführte soziale Zusammenhang der Juden sei ebenfalls dahin, das Judentum sei geblieben. Der Antisemitismus habe die Juden von Neuem zur Abwehr zusammengeführt; aber auch dort, wo der Antisemitismus schon überwunden sei oder werde, erhalte sich das Judentum; denn das Band, das aller Drten die Juden fest verbinde, sei einzig und allein die jüdische Religion. Darum wollen die heutigen Juden nicht nur Trutzjuden sein, wenn sie auch trutzen wollen, wo es gilt, wie es der Tentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der Verband der Deutschen Juden zeigen. Und sie wollen das Ghetto auch innerlich überwunden haben, wenn sie auch das im Ghetto gepflegte und bewährte innige jüdische Familienleben getreu bewahren wollen. Sie wollen einzig und allein, aber mit ganzem Herzen, religiöse Juden sein. Sie wollen festhalten an den ewigen Grundsätzen der jüdischen Religion, hierzu bedarf es nur des Entschlusses eines wahren und festen Willens, daß aber dieser mächtig und unbezwingbar sein kann, das liegt eben an der Religion selbst; denn sie ist eine Verstandeswie Gemütsreligion. Sie widerspricht nicht den Forderungen der Wissenschaft, noch der Kultur; sie ist fortentwicklungsfähig, entsprechend dem Geiste und den Forderungen der Zeiten, gänzlich „unorthodox", d. h. nicht gehüllt in das Kleid starrer Dogmen und sie hebt den Menschen über sich selbst hinaus zum Guten und Edlen. Ihr Kern ist einmal der Glaube an den einig einzigen Gott, den sie zuerst der Welt gebracht und in dem alle Kulturreligionen ihr gefolgt sind oder zu folgen wähnten. Zu ihrem Wesensinhalt gehört ferner das Gebot, das zuerst betont zu haben, vielfach andere gemeint haben und das sich doch zuerst und in reinster Form ausgesprochen findet in den jüdischen Glaubenslehren das Wort: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst". Das Judentum fordert ferner die Versöhnung durch sich selbst. Ohne Mittler, durch Erkenntnis und bessernde Arbeit soll der Sude die Versöhnung mit seinem Gotte finden. Das Judentum erstrebt diese Versöhnung des Juden mit sich und seinem Gotte für dieses Leben und vertröstet nicht auf eine bessere Welt. Es ist im wesentlichen Gegenwartsreligion, wenn dem Judentum im Laufe der Zeiten auch andere Vorstellungen nicht ferne geblieben sind. Und das Judentum ist schließlich Menschheitsreligion. Es will die ganze Menschheit mit seinem Geiste erfüllen, auf daß die Zeit nahe, hvo alle Völker Dir, dem „Einen" dienen. Diese Darstellung zeige, daß das Judentum vollkommen unkirchlich ist. Dem Judentum gehört jeder an, der sich zu ihm bekennt, mag er in der Ausgestaltung der Formen der Religion an dem althergebrachten möglichst festhalten, mag er, wie wir meinen, daß man die Formen der Religion dem Wechsel der Zeiten anpassen muß, fall enlassen, was veraltet ist, schaffen, was von der Zeit erfordert wird. Alle, die wir die Grundsätze des Judentums bekennen, wollen — ohne Acht auf die welken Blätter, die der wind hinwegweht — den Baum des Judentums pflegen und zur neuen Blüte bringen, wir liberalen Juden aber durch Bekenntnis zu unserem liberalen Judentum. Reicher Beifall, sowie berechtigte Worte des Dankes seitens des Herrn Vorsitzenden folgte diesen trefflichen, lichtvollen Ausführungen. Mit einer kurzen Diskussion schloß die Versammlung. Bitte an unsere NitgUeäer uncl Mannenten. Da Ur. 5 des ersten Jahrgangs unserer Monatsschrift vergriffen ist und öfters verlangt wird, werden unsere Mitglieder und Abonnenten, die unsere Monatsschrift nicht binden lassen, herzlich gebeten, diese Nummer an das Berliner Bureau zurückzugeben. Das Bureau der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. (Berlin W. 8., Mauerstr. V-)_ Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum 39erlitt W. 8, Mauerstraße 49. ftür die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Frredrrchstr. 29. Druck und Expedition von Voigt LEGleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Haffe 6,