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Liberales Judentum · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Date
1913-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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überdies Judentum UlonatsTchrift für die religiösen Interessen des Judentums berausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffchland unter der Redaktion von Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. Hl. Ho. 4. Jahrgang 5. April 1913. Herr Dr. Wohlgemufh und die Richtlinien. 6ne vorläufige Abrechnung. von Rabbiner Dr. C. Seligmann-frankfurt a. JTl. IV. Are Selbsttäuschung der OrtlMdome. - Wer die Wahrheit kennt und saget sie nicht, Der bleibt fürwahr ein erbärmlicher Wicht. (Studentenlied.) s war einmal ein König, zu dem kamen eines Tages drei lustige Gesellen. Die gebärdeten sich als große Maler und versprachen dem König, die wände. seines Schlosses mit w u n der baren Ahnenbildern auszuschmücken. Aber sie stellten die Bedingung, keiner dürfe ihre Arbeit sehen, bis sie fertig sei. Der König war es zufrieden und versprach den Gesellen einen hohen Lohn. Die Drei kauften sich Farben und schlossen sich in den großen Königssaal ein,' hier verhängten sie die wände mit Leinwand, dann aßen und tranken sie nach Herzenslust und ließen sichs guter Dinge sein, nur zu malen fiel ihnen nicht ein. So trieben sie's einige Wochen. Da wollte der König doch einmal sehen, wie weit die Bilder gediehen wären und sprach zu den Gesellen: „Lasset mich doch nur einmal einen Blick auf eure Bilder werfen." „Recht gern," antworteten diese, „aber zuvor müssen wir dir noch das wunderbare an unseren Bildern anvertrauen, was ihnen ihren höchsten Wert verleiht: wer nur einmal in seinem Leben gelogen hat, der kann sie nicht sehen." Mit diesen Worten zogen die Gesellen die Tücher von der wand fort und fingen an, dem König die Bilder zu erklären. Der König aber sah nichts als nur die getünchte wand, jedoch er schämte sich, das einzugestehen, weil er nicht vor den Malern als Lügner dastehen wollte; so nickte er nur immer zustimmend und sprach: „wirklich wunderschön, wunderschön!" Dann ließ er seine Gemahlin und seine Kinder und seinen ganzen Hofstaat kommen und teilte ihnen allen vorher das große Geheimnis mit, daß nur der die wunderbaren Bilder sehen könne, der nicht lügen könne. Alle sahen nun zwar nichts als die getünchte wand, aber sie taten alle trotzdem ganz entzückt, als ob sie die herrlichsten Bilder sähen, und jeder suchte den anderen zu übertreffen in begeisterter Bewunderung. Nur das jüngste Hoffräulein, das eben erst an den Hof gekommen war, rief lachend: „Aber was ist denn da zu bewundern? Man sieht ja nichts als die getünchte wand!" An dieses deutsche Märchen werde ich erinnert, so oft ich in den neuorthodoxen Schriften die Verhimmelung jedes durch

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