Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 48 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Rundschau: Mitten — Soest ntsmus antisemitische Tendenzen fördere. Prof. Go Idstein wies die Ausführungen des Herrn Freund zurück, wies auf die gefahrdrohenden Konsequenzen der zionistischen Agitation hin und zeigte an mehreren Beispielen aus neuester Zeit, u. a. auch an dem neuesten Aufsatz von Avenarius im „Kunstwort", daß die Zionisten, zwar nicht in antisemitischer Absicht — das habe niemand behauptet — wohl aber tatsächlich die Ziele des Antisemitismus fördern. Prof. Falkenheim lehnte für seine Person (Orthodoxie, Zionismus und Mittelpartei ab. Rabbiner Dr. vögelst ein gab, um der beginnenden Legendenbildung entgegenzutreten, als Vorstandsmitglied des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur die Erklärung ab, daß der Vorstand der liberalen Ortsgruppe mit dem Literaturverein auf dessen dringende Bitte getauscht habe und infolgedessen genötigt gewesen sei, die Versammlung auf den heutigen Abend zu berufen. Ls sei also nicht wahr, daß die Zionisten hätten fern gehalten werden sollen. Er wandte sich scharf gegen die unjüdischen Verketzerungen und Bannflüche. Bericht über die v e r s a m m l u n g der Gemeinde Mitten in der Herr Rabbiner Dr. Toblenz-Bielefeld einen Vortrag über „Liberales Judentum" hielt. Am ^3. Januar d. Z. sprach Herr Rabbiner Dr. Toblenz-Bielefeld in einer vom Vorstande der Gemeinde Witten einberufenen, außerordentlich stark besuchten Versammlung über die „Vereinigung für das liberale Judentum" und die „Richtlinien" des Rabbiner-Verbandes. Nachdem er einleitend das Programm der Vereinigung entwickelt hatte, erklärte Herr Dr. Toblenz der Versammlung in klarer und sachlicher weise die einzelnen Punkte der vielumstrittenen „Thesen", indem er insbesondere zum Ausdruck brachte, daß mit dem Aussprechen dieser Richtlinien in keiner Weise eine neue Auffassung der jüdischen Religion geschaffen, sondern daß damit lediglich den tatsächlich längst vorherrschenden Auffassungen in einer der Zeit entsprechenden Form Rechnung getragen werden solle. Gerade dadurch hoffe man bestimmt, viele dem Judentum entfremdete oder indifferent gegenüberstehende Kreise dem Boden des Zuentums zurückzugewinnen und zu erhalten. Es mußte von berufener Stelle ausgesprochen werden, daß man orthodox sein kann, aber nicht zu s e i n b r a u ch t, um voll und ganz ein religiöser Jude zu sein, und dieser Feststellung einer großen Mehrheit bedurfte es speziell mit Rücksicht auf die gegenteiligen Behauptungen der Vertreter der Orthodoxie, die nur sich selbst-als den „wahren" Vertretern des Judentums das Recht der Vertretung der Religions-ZnIeressen zuerkennen wollen. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen, und eine Reihe neuer Mitglieder der „Vereinigung für das liberale Judentum" gewonnen. Soest. Am 9. Februar fand hier eine zahlreich besuchte Versammlung statt. Nicht nur unsere Gemeinde war fast vollständig vertreten, auch aus der Nachbargemeinde Werl waren viele Damen und Herren erschienen, um Herrn Rabbiner Dr. Toblenz aus Bielefeld zu hören, der im Aufträge der „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" sprechen wollte. Sein Thema lautete: „Die Richtlinien als ein Programm für das liberale Judentum". Zn einem einstündigen Vortrag ging der Redner sehr eingehend die einzelnen Punkte der Richtlinie:: durch. Er verstand es in meisterhafter weise bis zu:n letzten Augenblick die Zuhörer zu fesseln. Großer Beifall wurde dem Redner zuteil. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion. 20 Herren und Damen traten der „liberalen Vereinigung" als Mitglieder bei. Tübingen, 7. Zan. Zm Bürgermuseum fand gestern eine aus allen Teilen Württembergs zahlreich besuchte Versammlung statt, die der Gründung eines liberalen jüdischen Landesverbandes galt. Den Vorsitz führte Dr. Karl Ries aus Stuttgart. Das Hauptreferat erstattete Rabbiner Dr. Tänzer aus Göppingen. Nach längerer Debatte wurde einstimmig die Gründung eines Landesvereins beschlossen. Zum Vorsitzenden wurde Landgerichtsrat Dr. Stern aus Stuttgart gewählt. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 49. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichftr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Gleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Gaffe 6,