Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3126481-3126558-3126561--1357-3128168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Oberelles Judentum JTlonatsfdirift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. Hl. No. 2. Jahrgang 5. februar 1913. Herr Dr. Wohlgemuth und die Richtlinien, eine vorläufige Abrechnung. van Rabbiner Dr. C. Seligmann-frankfurt a. Ul. n fünf weitschweifigen Artikeln, die später als Sonderabdruck in einer 73 Seiten starken Broschüre erschienen, Hat Herr Dr. wohlgemuth, Dozent an dem Rabbiner- Seminar in Berlin unsere Richtlinien —' gewürdigt? nein! — behandelt? nein! — das einzig passende Wort ist — mißhandelt. Ls ist unmöglich, und verlohnt sich nicht, auf all die unglaublichen Unterstellungen, auf all die halbwahren, schielenden Behauptungen, auf all die tendenziösen Voraussetzungen und Folgerungen des Herrn Dr. Wohlgemuth einzugehen. Da aber die Broschüre in Massenauflagen verbreitet wurde, da sie als wissenschaftliches Standard work gegen die Richtlinien ausposaunt, zitiert und in versammlungsreden ausgeschlachtet wird, da die Broschüre sich in allem Lrnst als „objektive", „sachliche", „wissenschaftliche" Würdigung der Richtlinien geriert, sollen im folgenden vor allem die Methode und die Wissenschaftlichkeit der Broschüre unter die kritische Lupe genommen werden. Ls werden dabei alle Hauptangriffspunkte und auch einige besonders interessante Spezialia zur Sprache kommen. Line persönliche Bemerkung möchte ich vorausschicken. Dr. Wohlgemuth — das sei unumwunden anerkannt, bemüht sich dre Sache von der Person zu trennen. Lr verwahrt sich wiederholt gegen den Verdacht, dem Gegner unlautere Motive zu unterschieben. Und so will ich Herrn Dr. wohlgemuth auch meinerseits gern zugeben, daß er selber nicht weiß, wie unsachlich, wie willkürlich seine meisten Behauptungen sind, wie er Behauptungen mit Beweisen verwechselt und wie er fortwährend dem Gegner Motive und geheime Gedanken unterschiebt, an die derselbe nie gedacht hat; wie er also in einer bedauerlichen, nur aus seinem Standpunkt erklärlichen Selbsttäuschung befangen ist. I. Are Methode. Im Auslegen seid frisch und munter! Legt ihr's nicht aus, so legt was unter! Goethe „Zahme Xenien". Ls gibt zwei Methoden, etwas zu beweisen. Nach der einen geht man von einerfertigen, feststehenden Annahme aus und sucht die Richtigkeit derselben im einzelnen nachzuweisen. <Ls behauptet z. B. jemand, das Judentum sei eine minderwertige Vorstufe des Christentums. Das ist eine These-, zu der einer durch irgendwelche imxonderablen