Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 214 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Richtlinien;rr einem Programm für Las liberale Judentum. anzubahnen, Begeisterung für die Geschichte des jüdischen Volkes wachzurufen, unter unbefangener Anerkennung der Wissenschaft in die Fragen der Weltanschauung und in die religiösen Probleme der Gegenwart einzuführen, vorhandene Gegensätze zu traditionellen Glaubensvorstellungen und Erscheinungsformen mit Würdigung ihrer historischen Bedeutung taktvoll zu behandeln und mit der Treue zum Väterglauben die Liebe zum Vaterlande und den Sinn für die Aufgaben der Menschheit zu wecken. sl- Die Jugend, die aus der Schule entlassen ist, soll in Zugendvereinen für die Mitarbeit an den religiösen Aufgaben des Judentums gewonnen werden. \2. Die Wissenschaft des Judentums ist ganz besonders zu fördern und zu verbreiten, damit durch sie eine immer größere Verinnerlichung und Vertiefung der jüdischen Religion herbeigeführt und die Achtung vor ihr gemehrt werde. \3. Die fachwissenschaftliche Ausbildung der Rabbiner, Lehrer Und Vorbeter soll in einer den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechenden weise erfolgen. 1% Zur Mitarbeit an den Gemeindeaufgaben, insbesondere auch auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und der sozialen Fürsorge sind möglichst alle Gemeindemitglieder heranzuziehen. J5. Die Teilnahme der Frau am religiösen und Gemeinde-Leben ist unentbehrlich. wie an den religiösen Pflichten, soll ihr auch an den religiösen Rechten der volle Anteil eingeräumt werden. XII. Die Durchführung dieser Forderungen wird, wie dem einzelnen liberalen Zuden, so insbesondere auch den liberalen Gemeinden dringend ans Herz gelegt, wie weit hierbei besondere örtliche Verhältnisse zu berücksichtigen sind, bleibt den einzelnen Gemeinden und ihren berufenen Organen überlassen. Gemeindeinstitutionen, welche auch nur eine Minderheit in der Gemeinde zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse braucht, sind unbedingt zu erhalten. Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands tritt mit aller Entschiedenheit für die religiöse Einheit des Judentums ein. Sie weist deshalb die Behauptung einer konfessionellen Verschiedenheit innerhalb des Judentums als unwahr und alle versuche einer Spaltung der - Gerneinden als unjüdisch und unheilvoll zurück. ~ * XIII. Der wissenschaftlichen Erörterung aller dieser Grundsätze und. Aufgaben sowie ihrer praktischen Ausgestaltung für das religiöse Leben im einzelnen will die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands ihre Tätigkeit in ernster Arbeit einmütig widmen; sie betrachtet es vornehmlich als ihre Aufgabe, diese Richtlinien durch 'Behandlung der sich aus ihnen ergebenden Einzelfragen näher zu begründen und zu ergänzen. Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands ist dabei von der heiligen Ueberzeugung erfüllt, daß es ihr auf diesem Wege allein möglich sein wird, die