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Liberales Judentum · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Date
1912-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Oberelles Judentum Hlonatsfchrift für dir religiösen Interessen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in veutfdiland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in frankfurt a. M. No. 9. Jahrgang 4. September 1912. General-Referat über4 „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum“. Gehalten in der Versammlung der liberalen Rabbiner Deutschlands zu Berlin am 28. Mai 1912*) Von Rabbiner Dr. Seligmann-frankfurt a. M. lt Ausführung des Auftrags, den die vorjährige Mitgliederversammlung der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands am 6. Mai einer Rommission, die sie zu diesem Zwecke einsetzte, gegeben hat, legt Ihnen die Rommission das Ergebnis ihrer Arbeit, den Entwurf von Richtlinien für das liberale Judentum vor, und mir, als dem Vorsitzenden der Rommission, ist die ehrenvolle Aufgabe zugefallen, den Entwurf der Richtlinien mit einigen allgemeinen einleitenden Gedanken zu beleuchten und vonseiten seiner prinzipiellen leitenden Gesichtspunkte zu begründen. Wenn auch schon in der Tatsache, daß die vorjährige Rabbinerversammlung das Mandat zur Ausarbeitung von Richtlinien einstimmig erteilt hat, die genügende Rechtfertigung der Aufstellung von Richtlinien *) Das hier abgedruckte Manuskript ist in einigen Punkten ausführlicher als die in Berlin gehaltene Rede, in der mit Rücksicht auf die zu Gebote stehende Zeit einiges weggelasfen wurde. liegt, so darf ich mich doch, in dieser ernsten und bedeutsamen Sache, der 2lufgabe nicht entziehen, die Berechtigung, die Notwendigkeit und die Opportunität der Aufstellung von Richtlinien an sich zu erörtern. Denn sowohl die Opportunität wie die Notwendigkeit und die Berechtigung der Aufstellung von Richtlinien wird bestritten. Wozu überhaupt Richtlinien, sagen die Einen, wozu die unglückselige Aufrollung von Fragen, deren Diskutierung im vorigen Jahrhundert so viek Verwirrung, so viel Unfrieden in das deutsche Judentum getragen hat? Wollen wir neuen Sturm erregen und nicht froh sein, daß wenigstens die religiösen Angelegenheiten des Judentums heute und seit sechzig Jahren in ruhiges Fahrwasser .gekommen sind? Ist die Aufstellung von Richtlinien nicht eine Gefahr für die Einheit des deutschen Judentums? Beschwören wir nicht das Gespenst des Schisma herauf, wo dem rings umstürmten Judentum vor allem Einheit und Frieden not tut?

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