Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 120 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3126481-3126500-3126506--1146-3127949- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
120 Urrrrdscharr o o o o Berlin, den 18. April 1912. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums faßte vor Jahren den Beschluß unter dem Titel „Corpu8 Tannaiticum“ eine kritische Sammlung sämtlicher aus der Zeit der Mischnalehrer stammenden literarischen Erzeugnisse herauszugeben. Sie bewilligte erhebliche Geldmittel für die erforderlichen Vorarbeiten, insbesondere für eine möglichst sorgfältige Vergleichung aller erreichbaren Gandschriften, und ernannte eine Kommission von Fachgelehrten, an deren Spitze Herr Rabb. Prof. Dr. Guttmann-Breslau trat, um die Grundzüge für diese wissenschaftliche Edition festzustellen. Alan kam überein, folgende Werke in die Sammlung aufzunehmen: h die Mischna, 2. die Tosefta, 3. die halachischen Midraschim (Mechilta, Sifra, Sifre), die in beiden Talmuden enthaltene halachische'und agadische Baraita. Für die Edition der einzelnen Teile wurden geeignete Kräfte gewonnen. Mit der Herausgabe der Mischna ist Herr Dr. E. Baneth, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, betraut, dem sachkundige Mitarbeiter zur Seite gestellt wurden, damit die Vergleichung der zahlreichen Handschriften um so rascher von statten ginge. Die Vergleichung der in der rabbinischen Literatur des Mittelalters zerstreuten Zitate aus der Mischna hat Herr Dr. Horovitz, Dozent am süd.-theot. Seminar in Breslau, freundlichst übernommen. — Die Vorarbeiten sind setzt schon soweit gediehen, daß im Mai des nächsten Jahres der erste Band der Mischna (Seder Zeraim) zu erwarten ist. Freilmrg i. A. Am 19- März sprach in der Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Iudentmn Herr Rabbiner Dr. S e l i g m a n n aus Frankfurt in einer zahlreich besuchten Versammlung über die Zukunft des Judentums. Der Vortrag fand großen Beifall, und in der Diskussion erklärten sich der anwesende Rabbiner Dr. Lschelbacher und ein Vertreter der Zionisten mit den meisten Ausführungen des Vortragenden einverstanden. So nahm der Abend einen sehr harmonischen Verlauf. Frankfurt a. M. von Herrn Rabbiner Dr. S. Bamberger in Bad-Kissingen erhalten wir, unter Berufung auf das Pressegesetz, folgende Erklärung zu dem Bericht aus Kissingen in Heft 2 unserer Monatsschrift: Der Linberufer der Versammlung teilte mir auf Anfrage mit, daß der Herr Referent eine theologische Diskussion nicht wünsche, nicht aber, wse Ihr Berichterstatter erwähnt, daß er sich Vorbehalte, sich in eine Diskussion einzulassen. Zum Zweiten ist es unrichtig, daß ich in meinem Zirkular vor dem Besuche der Versammlung gewarnt hätte; richtig ist vielmehr, daß mein Zirkular in erster Linie den Inhalt und den Zweck hatte, die Absicht meines Nichterscheinens in der Versammlung und den Grund hierfür, nämlich die Ablehnung einer Diskussion durch den Referenten, den Gemeindemitgliedern mitzuteilen. Drittens ist unrichtig, daß mein Zirkular die Behauptung enthielte, die liberale Bewegung bezwecke, die Juden zum Abfall zu bewegen und das Judentum zu zerstören. Einen derartigen Gedanken habe ich in diesem Zirkular nicht zum Ausdruck gebracht. Am dritten pfingstfeiertage, Dienstag, den 28. Mai findet zu Berlin im Repräsentantensaal der jüdischen Gemeinde eine Mitglieder-Versammlung der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands statt, in welcher „Richtlinien für das liberale Judentum" zur Beratung stehen. Angesichts der außerordentlichen Bedeutung der Versammlung richtet der Vorstand die dringende Bitte an alle liberalen Rabbiner, zur Versammlung zu erscheinen und ihre Teilnahme bei dem Vorsitzenden Rabbiner professor Dr. Bloch-Posen anzumelden. Reisekosten sollen auf Wunsch erstattet werden (s. Inserat). Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 49. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. C. Selig mann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Gleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Gasse 6.