Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Date
- 1912-04-01
- Page
- Seite 96 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Rundschau 0 o 0 o kalen Zionismus und die nichtdeutschen Wähler von der Stimmenzahl der Gegner in Abzug, so darf man getrost behaupten, daß die Konservativen auch hier schwächer sind als die Liberalen und daß wohl wir unterlegen sind, aber nicht der Liberalismus. Und nun ein paar Worte über den Wahlkampf selber. An den bekannten Intermezzi hat es auch hier nicht gefehlt, verdreh-? ungen über unsere Tendenzen waren an der Tagesordnung. Bei von dritter Seite in Anregung gebrachten Rompromißberatungen wurden den Liberalen nicht ernst zu nehmende Vorschläge gemacht, und als die Verhandlungen daraufhin naturgemäß scheiterten, schalt man unsere Lust am Streit. Und dabei gingen die Herren Gegner in ihrer „Friedensliebe" so weit, daß einer ihrer Lfauptführer sogar eine Einigung über die Verteilung der gemeinsam aufgestellten Kandidaten auf die Anzahl der Wahljahre schroff ablehnte, eine Angelegenheit, über die sich bei Wahlkämpfen sonst die schärfsten Gegner zu einigen pflegen. Warum diese Ablehnung erfolgt war, zeigte sich klar am Tage der Wahl. Nachdem man aus in öffentlicher Versammlung zugestandener Nachsucht heraus dafür, daß von uns zwei uns nicht genehme Herren von der konservativ - zionistischen Liste gestrichen waren, die beiden Vorsitzenden unserer liberalen Ortsgruppe — bisherige Repräsentanten — aus der Liste entfernt hatte — darunter den langjährigen Vorsitzenden und jetziges Ehrenmitglied der Lhewra Kadischa — versuchte man noch zuguterletzt ein liberales Mitglied, welches wir auf 6 Jahre kandidieren ließen, dadurch zu erledigen, daß man es auf 3 Jahre ausstellte. — Auch die am Vorabend des Wahltages von dem sogenannten „Gemeindeverein" einberufene Versammlung war nur auf Kampf gestimmt. Das wäre an sich den Gegnern gewiß nicht zu verargen. Nur, daß sie dann nicht das Recht hatten, uns als Friedensstörer zu brandmarken, unsere Flugblätter, deren ruhige Sachlichkeit auch von uns nicht Gleichgesinnten anerkannt wurde, an den Pranger zu stellen. Ueberhauxt die Flugblätter der Gegner! Daß man den Liberalen destruktive Tendenzen vorwarf, daß man sie verantwortlich machen wollte für die Taufe der Abkömmlinge Moses Mendelssohns, die doch direkt aus der Orthodoxie herauskamen, und wo man doch wissen mußte, daß auch aus orthodoxen Kreisen genügend Täuflinge hervorgegangen sind, das gehört nun einmal zu dem alten Rüstzeug der Herren; daß man es aber wagte, bei dem letzten Flintenschuß, den man am Wahlmorgen losließ, von dem Liberalismus als von dem gelangweilten Auch-Iudentum zu sprechen, das überschritt doch wirklich die Grenzen der Wohlanständigkeit, die man auch im scharfen Wahlkampfe einzuhalten verlangen darf. Auch sonst hätte man in diesem Streit manches anders wünschen können. Gb es beispielsweise als korrekt zu bezeichnen ist, wenn Männer in autoritativer Stellung innerhalb der Gemeinde, die ständig liberal zu sein behaupten, diesen Kampf gegen die Liberalen mit den Konservativen und Zionisten nicht nur mitkämpfen, sondern sogar selbst unter Versendung der Flugblätter mit Namensstempel die Agitation leiten und noch im wahlzimmer proselyten zu machen versuchen? De gustibus non est disputandum. Wir lassen den Kopf nicht hängen, sind frohgemut und arbeiten hoffnungsfreudig an unserer Organisation. Der Liberalismus im Judentum hängt nicht von der Repräsentanz in der Lindenstraße ab. Die Idee ist unbesiegbar. Und sie wird siegen. Eine Anfrage. Auf Seite tyl des Buches: „D i e Sprachen der Juden" von Dr. Heinrich Loewe findet sich folgende Bemerkung: „.jener oft zitierte Ausspruch eines dogmatisch-liberalen Fanatikers in Berlin: „Das Hebräische als Gebetssprache ist Gottesläster u n g," . . — Es liegt mir außerordentlich viel daran, den Ursprung dieser Aeußerung festzustellen. Wann und wo ist sie gefallen? Wer ist ihr Urheber? wo findet sich darüber etwas gedruckt? Für eine aufklärende Mitteilung würde ich sehr dankbar sein. Dr. Felix Goldmann, Rabbiner, Oppeln. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 49. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Gleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Gaffe 6.