Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Date
- 1912-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Henriette Fürth: Gedicht 89 Zur Barmizrooh unteres Jüngsten. Von Henriette 5urth-5rankfurt a. Ul. Nicht leicht wird mir's, zu Ihnen heut zu reden, denn eine schwere wende ist der Tag, und reich beladen mit Erinnerung stieg er empor. Die Jugend seh' ich wieder, umwallt von Waldeswehn und Wasserrauschen. So reich erfüllt von himmelhohem Streben, von einem Hoffen, das zu Wolken flog und einem Sehnen, das die Welt umspannte. Und unsre Eltern seh' ich mitten drin. Des Vaters ragende 'Gestalt. Sein ganzes Sein erfüllt von starkem wollen, von mächtigem Rönnen und von reiner Güte. Und unsre Mutter, die ein gütig walten uns wahrte als des Lebens Weihgeschenk, als unfern guten Engel, der noch lange mög' segenbringend uns zur Seite stehn. Dann ging's in's Leben. Wie Millionen gingen. Und wie Millionen immer wieder gehn, mit vollen Segeln und mit reicher Fracht von Hoffen — wünschen — wollen. Das Leben aber ist für alle hart, verlacht das Hoffen, sagt dem wünschen: Nein! zerbricht das wollen und — das Rönnen. Doch immer neu pflanzt sich ein neues Hoffen. Die Rinder! welchen Reichtum birgt dies Wort! Noch eine Jugend führt es uns herauf, und neu von neuem breitet sich die Welt. So hat sie sich vor uns gar reich gebreitet: ein achtfach Hoffen! — doch ein Sorgen auch. Und heut, an diesem Tag, da unser Jüngster als Glied tritt in die jüdische Gemeinde, da ist es wie ein Sonnenuntergang: Zum letztenmal grüßt uns der Jugend Sonne. Drum ist's ein schwerer Tag. Doch nun zu dir, der heut des Tages Held, Ein kleiner Held und gar nicht heldenhaft, ein rechter Gassenbub und Uebermut. Doch nt der Schale steckt ein guter Rern. Und lügen deine Augen nicht, fo wirst du ein braver Mensch. Doch das ist nicht genug.