Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 4 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 72 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Ar. Srligmarm: Vrrs nene Frankfurter Gebetbuch Gemeindemitglieder entsprechend, hat sie für Neujahr und versöhnungstag in einem Saale des westlichen Teils der Stadt einen besonderen Gottesdienst errichtet, der nach einem eigens hierfür namens der Gemeinde durch Herrn Rabbiner Dr. Seligmann bearbeiteten Gebetbuch abgehalten wurde. Die in diesem Gebetbuch niedergelegte Ordnung der Gottesdienste hält im Gegensatz zur Berliner Reformgemeinde an der durch Tradition und Geschichte überlieferten Einteilung der alten jüdischen Gebetordnung fest, sieht den Vortrag der für das Wesen des jüdischen Gebets wesentlichen Stücke auch weiterhin in Hebräischer Sprache vor, begleitet diese Stücke aber mit einer entsprechenden Uebersetzung. Die Psalmen, der größte Teil der Gesänge, sowie eine große Anzahl der Hauptgebete sind in deutscher, weihevoller und eindrucksvoller Sprache gehalten. Der Gottesdienst ist durch Weglassung von Wiederholungen wesentlich und noch weit über das der bisherigen Grgelgottesdienste hinaus gekürzt; andererseits aber sind erhebende Gesänge, sowie ethisch und poetisch wertvolle Einschaltungen, insbesondere anregende Ansprachen des Rabbiners eingefügt. Der Gottesdienst war überraschend zahlreich besucht, besonders von solchen Gemeindemitgliedern, die seit fahren jedem Gottesdienst fern geblieben waren, und von Rindern, die diesen Gebeten mit Andacht folgen konnten, er fand allgemeine Zustimmung und erntete großen Beifall." Sechs Jahre später schreibt Dr. med. Benario, unter dem Eindruck der Einweihung der neuen Westend - Synagoge und der kurz darauf folgenden Gottesdienste am Neujahr und versöhnungstag: „Der Tag der Einweihung der neuen Synagoge in Frankfurt a. XII. wird ein Merk- und Wendepunkt in dem religiösen Leben bedeuten, nicht nur für die liberal gesinnten Juden Frankfurts, sondern auch für die Bestrebungen der Gesamtheit liberaler Glaubensgenossen . . . Die andächtige Erhebung, die während der Feiertage bei den versammelten, die die Synagoge fast bis auf den letzten Alatz füllten, ausgelöst worden war, ist der beste Beweis für ihren wert. Ueberhaupt konnte während der ganzen Dauer des Gottesdienstes eine andachtsvolle Stimmung beobachtet werden. Wohl wird mancher, der noch durch die Macht der Gewohnheit in den gewohnten Gebetformen wurzelt, manches aufgeben müssen. Aber die Synagoge ist nicht nur für unsere Generation gebaut, sie gehört auch unseren Rindern. Ihnen erst wird die Saat, die jetzt gelegt ist, voll und ganz reifen. Und ihnen möge die neue Synagoge, die Vollendung eines Beginnens werden, zu dem wir uns jetzt freundlichen Herzens anschicken. In ihr wird der Gott unserer Väter wieder unser Gott werden, der Gott, zu dem wir mit wahrer Frömmigkeit und ernster Sittlichkeit beten können mit ganzem Kerzen und ganzer Seele." Die eingesandten Korrespondenzen mußten mit Rücksicht auf die den ganzen Raum dieser Nummer beanspruchenden „Gebetbnch"-Frage für die folgende Nummer zurückgestellt werden. Die Redaktion. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 49. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Gleiber, Frankfurt a. M, Bieber-Gaffe 6.