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Liberales Judentum · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · page 1

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Journal
Liberales Judentum
Volume
4 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IRI
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liberales Judentum JTlonatsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben non der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffchland unter der Redaktion non Br. Caetar Seligmann, Rabbiner in 5ranhfurt a. M. No. l. Zakrgang 4. Januar 1912. Zum neuen Jahrgang. Jüdifch oder religiös? €ine ernste frage an das Judentum der Gegenwart. Von Dr. Seligmann-frankfurt a. FH. rotz aller pessimistischen Ausblicke in die Zukunft des Judentums, die zumeist von einer Seite ausgehen, die des düstern Hintergrundes bedarf, um ihre Farbe desto Heller.hervortreten zu lassen, zeigt sich dem unbefangenen Betrachter zweifellos ein Erstarken des jüdischen Selbstbewußtseins, eine gesteigerte Anteilnahme am jüdischen Leben bei den deutschen Juden. Ueberall aufblühende Institutionen, überall ein Wiederzurückfinden zur jüdischen Geistesheimat, überall ein neuer mächtiger Zusammenschluß zu jüdischen Vereinigungen und Verbänden. Hier finden .sich Tausende und Abertausende von Juden der neuen und der alten Welt zusammen in dem ungeahnt aufblühenden Orden Bne-Bris. Dort scharen sich "Tausende um das neu entrollte Zionsbanner. Dort wiederum schließen sich Tausende zusammen zu imposanten jüdischen Hilfsvereinen, zu mächtigen Organisationen und Verbänden zum Kampf für Recht und Ehre. Jüdische Literaturvereine, Gesellschaften zur Förderung der Wissenschaft des Judentums verbreiten unter den Massen und unter den Intellektuellen jüdisches Wissen und jüdisches Interesse; jüdische Zeitschriften schießen wie Pilze aus der Erde und finden ihre Leser; jüdische Bibliotheken und Lesehallen öffnen dem lesehungrigen jüdischen Publikum ihre fallen. Jüdische Runstdenkmäler werden gesammelt, jüdische Volkskunde wird gepflegt. Die hebräische Sprache wird wieder lebendig; nicht nur in den Ländern des Ostens, auch in Deutschland feiert sie ihre Auferstehung. Die jüdischen Frauen, die jüdische Jugend erwachen und begründen den jüdischen Frauenbund, die jüdische Jugendorganisation. Ein Leben, eine Regsamkeit, ein Gähren, ein Betätigungsdrang, ein neu hervorbrechender „Wille zum Judentum", wohin wir blicken. „Wille zum Judentum", wir selbst haben vor nicht ganz zehn Jahren anläßlich eines Vortrags in Hamburg, der diesen Titel trug, zum erstenmal dieses Wort geprägt, das sich seitdem als Schlagwort in der jüdischen Welt eingebürgert hat. Das Wort war eine bewußt absichtliche Zusammenfassung des Instinktiven und Gefühlsmäßigen, das heute — infolge mancherlei verschiedener Motive — die Juden wieder stärker zum Judentum zieht. Aber sind all die oben genannten starken Lebensbetätigungen, all die Institutionen und Organisationen wirklich Schöpfungen und

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