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Liberales Judentum · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Date
1911-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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liberales Judentum nionafsfehrift für die religiösen Intereffen des Judentums herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutfchland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. M. No. II. Jolirgong Z. November ISN. Perfönliche Religion und Judentum. Van Rabbiner Dr. Dienemann-Ratibor. roß und weitschauend sind die Erwartungen, die wir auf den religiösen Liberalismus im Judentum setzen, wir erhoffen von ihm, daß er, rückwärts gewandt, jene, welche die als religionsfeindlich empfundenen Tendenzen der abgelaufenen Jahrzehnte in eine Gleichgiltigkeit gegenüber dem Judentum getrieben haben, wieder zum Bewußtsein ihrer religiösen Bedürfnisse zurückführt und diese in der Richtung aufs Judentum lenkt. Und zu zweit weisen wir ihm auch d i e Aufgabe zu, vorwärts gewandt mit hellseherischem Blick die neuen Strebungen der Zeit, die aufs Religiöse gerichtet sind, zu ahnen und zu erfassen und sie so für uns nutzbar zu machen, damit sie nicht zu einer neuen Zersetzung unserer Glaubensgemeinschaft führen, sondern in den Dienst unserer jüdischen Anschauungen gestellt werden und so die Lebensmacht des Judentums erhöhen und seine Aufgabe erleichtern. Das Judentum für seinen weltgeschichtlichen Beruf auf der Höhe zu erhalten, dadurch daß es rechtzeitig die religiös-fruchtbaren Tendenzen der Zeit in sich aufnimmt, damit es nicht in den Augen seiner Bekenner selbst an Geltung verliert gegenüber fortschreitenden das Lebensgefühl des Einzelnen verstärkenden Strömungen, das ist die Aufgabe, die dem liberalen Judentum feine Berechtigung und Notwendigkeit inmitten der Iudenheit verleiht. In welcher Richtung liegen diese Aufgaben, zu jder die liberale Anschauung uns selbst erziehen soll, und welches sind "die allgemeinen Aufgaben, an denen mitzuarbeiten die liberalen Juden in ganz besonderer Weise berufen sind? Um das alsbald entscheidend zu beantworten, genügt es schon, daß wir aus den Gesamttendenzen der Zeit, soweit sie auf Religion Hinzielen und mit Religion im Zusammenhang stehen, eine einzige herausheben, und zwar diejenige, die in der landläufigen Phraseologie mit dem Worte: „persönliche Religion" benannt wird. Umschreiben wir erst einmal diesen Begriff.. Da wird es zweckmäßig fein, zunächst mit aller Energie zu sagen, was man unter „persönlicher Religion" nicht verstehen darf. Reineswegs deckt sie sich mit der Anschauung, die darin gipfelt, daß in Sachen der Religion jeglicher tun und "lassen kann, was ihm paßt, daß das "einzelne Individuum sich ganz allein iaus sich heraus feine Meinung über religiöse Dinge bildet und nun darnach

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