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Liberales Judentum · 1911-09-01 · Heft 9 (September 1911) · p. Seite 215

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 9 (September 1911)
Date
1911-09-01
Page
Seite 215 (sequence 23)
Language
German
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c o o o 215 Sucher schau ist der schmerz über „die Schmach des Jahrhunderts" und das aus ihm neu geborene starke jüdische Selbstbewußtsein machtvoller zum Ausdruck gebracht worden als in diesen Liedern: Semit! Ich senk' das Auge nieder Wenn höhnend dieses Wort erklingt; Als Jude fühl ich kein Erröten, Jedoch als Deutscher schäm ich mich. Der Dichter findet originale Töne, die aus einem tief verwundeten Kerzen kommen und zu Herzen gehen: Aus jüdischer Seele? Hör ich staunend fragen, Als fei es Hochmut, der dies Wort sich wähle. Und ist nur eines wünden Herzens Klagen Ein Schrei um Recht aus einer Menschenseele. Dieser Grundton klingt aus fast all? den Liedern; aber auch mit beißendem hohn übergießt er die Feigen, die Neberläufer: Getauft! Nun seid ihr frei von Schande, 1 Da des Germanen Ruhm Euch ziert! Und zum Schluß: Nein, daß wir jemals euch besessen, Das ist es, was uns schmerzt und quält! Den stärksten Ton aber findet Löwenberg, wenn es um sein bestes geht, um sein Rind: Ihr habt verhöhnt mich, habt mich angespien, Bedauert. Hab ich euch und euchl verziehn. Ich war zu stolz, was ihr euch auch erfrecht, — Um meines Kindes Tränen heisch ich Recht! Ts gibt ein heiligstes in des Dichters Herzen, das lebt in ihm in sehnsüchtiger Erinnerung. Das ist die Liebe zum Vater, zur Mutter: In meines Lebens wilde Stürme Bricht oft ein Friedensklang herein, . Da muß ich meiner Mutter denken. Und alle Schmerzen schlafen ein! Ist es uns nicht, als ob eine linde Mutterhand sanft über unsere Stirne streicht? Und wenn's ihm im Traume wiederklingt: Gute Nacht, Mutter — Gute Nacht, Kind! Man muß diese Worte lesen, andächtig, wie ein Gebet, um ihre ganze Innigkeit, die meerestiefe Sehnsucht nachzuempfinden, die ihnen entströmt. An seiner Heimat „Westfalens roter Erde" hängt Löwenberg mit wurzelechter Treue, aber als er zurückkehrt einmal ins Heimatdorf, da wird ihm die Antwort „von Ihren Leuten wohnt dort keiner mehr", und auch diese Antwort, gleichgültig gegeben aus derbem Bauernmunde, wird ihm zum innerlichen Erlebnis und formt sich ihm zum wehmütigen Gedicht. Die meisten der in dieser Auflage neu hinzugekommenen Gedichte sind unseren Lesern dadurch bekannt, daß sie in unserer Monatsschrift zum ersten Mal erschienen sind. Wir nennen: „Iudenkirchhof in der Heide", „Wasser", „Isaak Löwenthal". — Dem prächtigen, auch äußerlich vornehm ausgestatteten Gedichtband wünschen wir die ganze jüdische Jugend als Leser. Sie wird aus ihm eine starke jüdische Seele, Kraft und Begeisterung schöpfen. Seligmann. Zur Besprechung eingegangen: Führende Persönlichkeiten zur Zeit der Gründung des Deutschen Reiches. Forschungen und Erinnerungen von Friedrich N i p p o l d. 698 S. 30. Berlin, 191s. Siegismund. Mk. 12, geb. Mk. 1% Pf atmen. Alte perlen in neuer Fassung, von Dr. I. Nußbaum. 9^! S. 16. Nürnberg, E. Kochs Verlagsbuchhandlung. 1911- Die in dieser Monatsschrift erschienenen Aufsätze: Zionismus oder Liberalismus, Atheismus oder Religion von Dr. Felix Goldmann- Oppeln stnd als Broschüre im Kommissionsverlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M., erschienen.

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