Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 279

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 279 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3126481-3126513-3126525--1006-3127700
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Küchrrfcharr 279 Weimar, Bismarck und der Kultusminister Falk, Graf Bethusy-Huc und Graf Wintzingerode, Bischof Reinkens und Richard Roche. Für uns kommt selbstverständlich am meisten inbetracht der Abschnitt: „Aus dem Aufwärtsstreben der jüdischen Theologie", in welchem auf 70 Seiten, neben vielen interessanten Einzelheiten und Beurteilungen von Büchern, vor allem die religiöse und wissenschaftlich - theologische Persönlichkeit Abraham Geigers und Moritz Lazarus', sowie die apologetischen Werke Güdemanns und Moritz Friedländers gewürdigt werden. Ist es an und für sich schon eine überaus erfreuliche Tatsache, daß in einem solchen Werre in so eingehender weise der jüdischen Theologie gedacht wird, so ist die vorurteilslose, vornehme und sympathische Art, wie über jüdische Männer und Werke geurteilt wird, eine Herzenserquickung in heutiger Zeit. Friedrich Nippold ist eine wahrhaft ethische Persönlichkeit, eine anima candida; selbst aus tiefstem Kerzen religiös, schätzt er die innere Religiösität, wo immer sie ihm entgegentritt. Sein Urteil ist von milder Abgeklärtheit, voll jener echten Humanität, die die menschliche Schwäche eher mit Liebe bedeckt, als sie mit schlecht verhehlter Schadenfreude ans Licht zieht. Fast zu schonend will uns manchmal sein Urteil bedünken. Daß Nippold, gegen Geiger, die Originalität des Stifters des Christentums als über jeden Zweifel erhaben ansieht, daß er nicht mit dem Urteil Güdemanns über Kuenen und Siegfried übereinstimmt, daß er Friedländers Apologetik mit seiner Polemik gegen den Pharisäismus (wie er insbesondere schroff und durchaus antijüdisch in seinem späteren Werke: „Die religiösen Bewegungen innerhalb des Judentums im Zeitalter Jesu" zutage tritt) hervorhebt, ist sein gutes Recht. Auf der anderen Seite aber, stellt der große Kirchenhistoriker, dessen Blick nicht durch parteihader getrübt ist, Geiger in gewissem Sinne an die'Seite Döllinger's und Hase's inbezug auf die Wirkung, die von ihm ausging. Lazarus stellt er „in die gleiche Eliteklasse" wie Richard Rothe. Nippold hat ein feines Ghr für die religiösen Strömungen des neuzeitlichen Judentums, und er findet ohne Mühe die Verbindung zwischen Lazarus und den neuesten Bestrebungen des liberalen Judentums. Unserer Rkonatsschrift „Liberales Judentum" wird an mehreren Stellen gedacht, so S. 6O9, wo es im Anschluß an das nachgelassene Büchlein Lazarus', „die Erneuerung des Judentums" heißt: „wer die darin niedergelegten Gedanken mit den bisher erschienenen heften der Zeitschrift ^des liberalen Judentums vergleicht, darf darin eine propetische Ahnung von dem finden, was heute die ernstfrommen Kreise der jüdischen Gemeinde aller Art bewegt"; und S. 638: „Die Antworten auf diese Fragen („was hat in der neueren Zeit den Niedergang des religiösen Geistes bei den Juden herbeigeführt?" und „Wie ist es in unserer Zeit möglich, bei der Jugend eine religiöse Gesinnung bleibend zu begründen?") erinnern den Sachkenner sofort an die schönen Artikel, in welchen die Zeitschrift für das liberale Judentum speziell den Müttern die pflege der religiösen Gesinnung bei ihren Kindern zuweist." wir schließen diesen Hinweis auf das schöne Buch mit den edlen Worten des hochsinnigen Verfassers, das sich unsere Täuflinge in's Album schreiben mögen: „Und doch ist der numerische Verlust, welchen die jüdische Konfession erleidet, noch nicht so bedenklich, als die systematische pflege der Ueberzeugungs- und Gesinnungslosigkeit, wie sie nicht nur an diesem Punkte, sondern in nur zu vielen ähnlichen Erscheinungen zutage tritt. . Habe man eine Ueberzeugung, welche man wolle! Aber eine wirkliche Ueberzeugung sollte doch jeder Mann haben, was nicht aus Ueberzeugung stammt, das ist Sünde." Seligmann. Äudbütprrdigtrn zum ersten Buche Moses von Ar. M. Steckrlrnacher, Stadt- und Konferenzrabbiner in Mannheim. Leipzig. Verlag von A. w. Kaufmann. 8. 87 Seiten. Alle Vorzüge Steckelmacher'scher Kanzelberedsamkeit, wie sie in dem im Jahre s895 erschienenen Bande der Festpredigten zutage treten, erscheinen auch in diesen 'Sabbatpredigten wieder: Gedankentiefe, religiöser Ernst, hochgestimmter Idealismus, feingetönte Darstellung, liebevolle Versenkung in das Schriftwort und in die Erklärung des Midrasch. Der Verfasser bevorzugt moralphilosoxhische und geschichtsphilosophische

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.