Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 96 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau oo o o 96 Religion als nebensächlich und als privatfache ansieht, eine Gefahr für die Existenz des Judentums. Der Zionismus würde sein politisches Ziel niemals erreichen, seine enttäuschten Anhänger aber der Taufe in die Arme treiben. Herr Dr. Norden stellte zunächst mit Befriedigung fest, daß die deutschen Zionisten in ihrer Mehrheit nach dem Zugeständnis des Herrn R.-A. Weinberg aus Dortmund, in religiösen Dingen dem Liberalismus huldigen. Er achte jede religiöse Richtung, er unterhalte mit dem Führer der Elberfelder Orthodoxie freundschaftliche Beziehungen und arbeite mit ihm gerne und viel auf dem Gebiete der Menschenliebe. Er müsse sich aber gegen die Juden aussprechen, die bezüglich ihrer eigenen Person kein Religionsgesetz für verbindlich hielten, jedoch von anderen die strenge Beobachtung aller Gesetze forderten. Den Standpunkt des Herrn Epstein müsse er als unlogisch bezeichnen. Die Gesamtheit werde durch die einzelnen Persönlichkeiten gebildet, wolle man diesen Freiheit in religiösen Dingen zugestehen, so müsse man auch logischerweise der Gesamtheit diese Freiheit einräumen. Der Rritik, die Herr Dr. Grüneberg an der Stellung der preußischen Rabbinen geübt, stimme er zu. Die Wahrheit erfordere indessen, hier in öffentlicher Versammlung zu erklären, daß die Elberfelder Gemeindevertretung niemals den Versuch gemacht habe, ihn in seiner amtlichen Tätigkeit zu beeinflussen. Herr Heß gab seiner Freude an der liberalen Bewegung Ausdruck. Diese Bewegung habe das lange Zeit schlummernde religiöse Leben innerhalb der Gemeinde so geweckt, wie er es nimmermehr zu hoffen gewagt habe, Herr sausen, ein früherer Gegner des Liberalismus, bekennt offen, nachdem er die liberale Bewegung kennen gelernt habe, nunmehr ein treuer Anhänger dieser Bewegung geworden zu sein. Er sei überzeugt, daß dieses Rennenlernen, das er allen Juden empfehle, dem Liberalismus viele neue Anhänger zuführen werde. Herr Herz, ein Mitglied der Elberfelder Repräsentanz, spricht, unter Zustimmung aller anwesenden Repräsentanten Herrn Dr. Norden die Anerkennung der Gemeindevertretung aus. Unterdessen war es Uhr geworden. Aus diesem Grunde beschränkt sich Dr. Seligmann in seinem Schlußworte auf nur wenige Bemerkungen gegenüber den mancherlei Angriffen. Der Vorsitzende unserer Ortsgruppe, Herr Emil Grünebaum, der die teilweise sehr erregte Debatte in musterhafter Weise leitete, und den Gegnern unserer Bewegung in loyalster Weise entgegenkam, dankte Herrn Dr. Seligmann nochmals für seine Ausführungen und den versammelten für das lange Ausharren und ihr lebhaftes Interesse. - - Der Abend legte Zeugnis für das religiöse Leben und Empfinden innerhalb unserer Gemeinde ab und bedeutete einen großen moralischen Erfolg unserer Sache. — Erklärung. In der „Jüdischen Rundschau" werde ich seitens der Redaktion und anderer Personen wegen meines Artikels: „Zionismus oder Liberalismus — Atheismus oder Religion?" wiederholt angegriffen. Offenbar, weil man mich sachlich nicht widerlegen kann, ergeht man sich in einem öden Geschimpfe und bedenkt meine Person mit einer Flut von Verdächtigungen. Wer versuchen will, meine Ausführungen sachlich zu widerlegen, wird mich bereit finden, in eine wissenschaftliche. Debatte einzutreten. Auf Beschimpfungen und.gehässige persönliche Verunglimpfungen zu antworten, lehne ich natürlich rundweg ab. Schimpfen ist kein Argument, und wer schimpft, hat immer unrecht. Gold mann-Oppeln. Herausgegeöen vorr ber Vereinigung für bas liberale Judentum Verlin 6 2, L eiligegeiststraß e 45. Mr öieReöaKtion und ben Vertag verantwortlich Dr. Ä. Seligmann, AranKfurt a. Al., Nrieörichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt <fe> Kleiber, Nrankfurt a. Al-, Viberzasse 6.