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Liberales Judentum · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Date
1911-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Liberales Judentum ITlonatstchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben von der Vereinigung für dos liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion von Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. IN. No. 4. Jahrgang 3. April 1911. Zionismus oder Liberalismus - Von Dr. Selix Goldmann-Oppeln. Air„Nurchdringrmgstheorie" in der Praxis. Diese Wechselwirkungstheorie ist nun, um es offen heraus zu sagen, der langen Würdigung nicht wert, die wir ihr haben zuteil werden lassen. 5ie ist nicht etwa allgemeine Anschauung der Zionisten, sondern nur eine Verlegenheitserfindung zionistischer Rabbiner, die sich beide Ideale, das nationale, wie das universal-religiöse, retten möchten, und zur Beschwichtigung ihres beunruhigten Gewissens die merkwürdigsten historischen Sätze aufstellen, um diesen sonst in der Weltgeschichte einzig dastehenden Fall zu konstruieren. Natürlich läßt sich die ganze Theorie nur dann aufrechterhalten, wenn man die seltsamsten Konsequenzen mit in den Kauf nimmt und aus Folgerichtigkeit für Dinge eintritt, die man unter normalen Umständen als widersinnig bezeichnen würde. Einige Beispiele aus Josephs Buch, nackt an einandergereiht, mögen dies erläutern. Gemeinhin freut man sich über Kultur, das Buch sieht im Gegenteil einen Vorzug, weil sich in der Unkultur des Ghettos das Judentum national besser erhält (pag. (23); normalerweise hält man die Kabbala mit ihrem Ulysticismus und unsinnigen Aberglauben für eine der bedauerlichsten Verirrungen des - Atheismus oder Religion? (Fortsetzung.) Menschengeistes, Joseph schwärmt für die Kabbala in warmen Worten, weil sie nicht universalistisch ist und den nationalen Messianismus fördert (pag. \2\); sonst freut man sich, wenn gerade und philosophisch gedacht wird, Joseph sieht aus demselben Grunde in der Religionsxhilosophie eine Gefahr für das Judentum (pag. W)! Joseph begeistert sich für die „göttliche Intoleranz" des Elia (pag. 80), der bekanntlich ^50 Baalspriester auf einmal schlachten läßt. Es ist schwer zu begreifen, wie ein Jude für Aberglauben, gegen die Religionsphilosoxhie und für die erwähnte „religiöse" Anschauung eines Elia sich aussxrechen kann. In dieselbe Kerbe schlägt das Buch, wenn es die Freidenker zu den Juden rechnet (pag. 70), und sich freut und es für gut hält, daß die Führer des Zionismus dem Religionsjudentum mehr oder weniger fern stehen (pag. ^32)! Eine merkwürdige Freude! Aber zu solchem Widersinn muß natürlich eine derart gekünstelte und unmögliche Anschauungsweise führen. Theoretisch besprechbar ist nun überhaupt diese ganze Klitterung nur, solange das Judentum in der Diaspora sitzt. Der allerbeste Beweis für die völlige praktische Un-

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