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Liberales Judentum · 1911-02-01 · Heft 2 (Februar 1911) · p. Seite 26

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 2 (Februar 1911)
Date
1911-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 Asm 70. Geburtstag des Nabbtners Dr. Vogelstrin Manne zu seinem Inbeltage folgende Adresse überreicht hat: hochverehrter Herr Rabbiner! Zu dem Tage, an welchem Sie, hochverehrter Herr Rabbiner, die Schwelle des 70. Lebensjahres unter Gottes gnädigem Beistände jugendsrisch an Körper und Geist überschreiten, bringt der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland Ihnen, dem geistigen Führer und dem weithin leuchtenden Vorbild, herzlichsten Glückwunsch dar. Line Persönlichkeit voll sittlichen Ernstes, ein begeisterter Lehrer im Dienste unserer heiligen Religion, habeil Sie das, was Menschentum und Judentum als das hehrste und Edelste erkennen, die Treue zu sich selbst, die Wahrhaftigkeit der Gesinnung, in vorbildlicher Weise durch Ihr Leben und durch Ihr Wirken bewährt. In einer Zeit, da das liberale Judentum unter dem Ansturm der Reaktion und der eisigen Gleichgiltigkeit der Massen müde darniederlag, haben Sie, als der Einzige fast unter den deutschen Rabbinern, mutig und voll heilig glühenden Feuers die alte Fahne hochgehalten. In Wort und Schrift, mit jugendlicher Begeisterung und mit der Schärfe des an stählerner wissenschaftlicher Arbeit geschliffenen Gedankens sind Sie von den Tagen Ihrer Jugend an, da Sie noch dem Studium der theologischen Wissenschaft ernst oblagen, durch alle Entwickelungen Ihres Lebens, durch alle wechselnden Phasen der jüdischen Geistesbewegung zweier Menschenalter, für die Ideale des j)rophetismus, für den Gedanken einer fortschreitenden Entwicklung im Judentum, für eine jüdische Religionsauffassung, die den Hauptakzent auf das Wesen und nicht auf die Form legt, eingetreten. So standen Sie als junger Kämpfer schon in den Reihen der Männer, die zur Augsburger Synode sich zusammenfanden und haben mitgetan bei jenen bedeutungsvollen Beschlüssen, die erst in unseren Tagen zu aktueller Geltung gelangen. So waren Sie in einer Zeit der Mattherzigkeit der herzensstarke Schöpfer und Führer der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands. So vertraten Sie in wertvollen und geschätzten Schriften und Reden, Aufsätzen und Gutachten die idealen und praktischen Forderungen des liberalen Judentums. So waren Sie es endlich, der den Gedanken einer Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland zuerst anregte und in die deutschen Gaue hineinrief. Und so haben wir Ihnen, verehrter Herr Rabbiner, in erster Linie das Erstehen und Erstarken unserer Vereinigung, die heute ein machtvoller Faktor in der Entwicklung des deutschen Judentums geworden ist und eine Welt voll Fruchtbarkeit in ihrem Schoße trägt, zu verdanken. Möge es Ihnen vergönnt sein, mit ungeschwächter Kraft, in unermüdetem Schaffen noch lange, lange Jahre zum Glück Ihrer Familie, zum Segen unserer Vereinigung, zum heile des gesamten Judentums fortzuwirken und sich der Früchte Ihrer segensvollen Lebensarbeit bis ins höchste Alter zn erfreuen. Am 20. Februar IM- Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. gez. Breslauer, gez. Schaefer, Vorsitzender., Schriftführer.

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