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Liberales Judentum · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. Seite 22

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Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 O O 0 P Rundschau Rundfchau. Krrlrn, im Januar $U- — Der Jüdisch - liberale Zugendverein hatte in diesem Monat Gelegenheit, sich nach innen und außen zu betätigen. Am \2. Januar sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Abraham über den „Zionismus". Der Vortragende gab im wesentlichen ein Referat über die historische Entwickelung des zionistischen Gedankens und nahm nur am Schlüsse Gelegenheit, die zionistischen Grundsätze vom religiös-liberalen Standpunkt aus zu widerlegen. Das aktuelle Thema rief in der überfüllten Versammlung lebhaften Widerhall hervor, wie die anregende Diskussion bewies. Es waren, auch Gegner erschienen, deren Standpunkt von Herrn stud. Amolski vertreten wurde. Seine ausführlichen Darlegungen boten den nachfolgenden Diskussionsrednern zahlreiche Angriffspunkte. Am 1,6. trat unser Verein zum ersten Male in der Öffentlichkeit hervor, allerdings nicht mit einer eigenen Veranstaltung, sondern in einer gegnerischen Versammlung. Diese war von den vereinigten nationaljüdischen Vereinen Groß-Berlins einberüfen worden, um gegen die in unserem Gründungsflugblatt enthaltene Erklärung, daß der Zionismus eine Gefahr für die Zugend bilde, Stellung zu nehmen. Als Referenten traten drei Herren aus den verschiedenen Organisationen auf, Lichtheim, Scholem und Goslar. Sämtliche Herren sprachen sich in äußerst scharfen Worten gegen den liberalen Zugendverein aus, dem sie vorwarfen, daß seine Mitglieder nur Marionetten der hinter ihnen stehenden liberalen Führer seien. Aufs wirksamste widerlegte Herr Dr. Wertheim die gegnerischen Angriffe, vom lebhaftesten Beifall eines sehr großen Teils der fünfzehnhundert Köpfe zählenden Versammlung begleitet, entwickelte der Redner das Programm der Liberalen und die Ziele des Zugendvereins. Mehrmals versuchten die Zionisten den Redner durch Lärmen zu stören, indes selbst der Vorsitzende, Herr Rechtsanröalt Gronemann, sah sich genötigt, seine Anhänger zur Ruhe zu ermahnen, weil der Redner durchaus zur Sache spreche. Es sprachen noch mehrere Vertreter der beiden Parteien, vom liberalen Zugendverein Herr Philixpsborn und Herr Dr. Abraham. Das Erhebende dieser gegnerischen Versammlung war für uns Berliner die zum ersten Mal beobachtete Tatsache, daß auch wir Liberalen in einer großen öffentlichen Zugendversammlung zahlreich vertreten waren. Schon das allein ist ein Erfolg unsres Zugendvereins. Und selbst das zionistische Parteiorgan, die „Züdische Rundschau" muß erklären, daß die Versammlung nicht, wie erwartet, ein „Großer Tag" gewesen sei. Die Ursache erblickt das Blatt darin, daß wir „zahlreich und im Vollbesitz unserer jugendlichen Stimmkraft" erschienen seien. Das sagt ein zionistisches Blatt, obwohl sonst stets behauptet wird, daß wir die Zugend nicht hinter uns hätten. Der Erfolg beider Veranstaltungen waren Meldungen zahlreicher neuer Mitglieder. Unser Verein hat das erste Hundert überschritten und steuert auf das Zweite zu. München, im Dezember Der Verein für die liberalen Znteressen' des Zudentums in München hielt am 22. November WO die zweite ordentliche Mitgliederverlung ab, welche zahlreich 'besucht war. Nach den Begrüßungsworten des ersten Vorsitzenden, Herrn Albert Landauer, und nach dem Kassabericht, erstattet vom Schatzmeister Herrn Kommerzienrat Bühler, berichtete Verwaltungsmitglied Herr Michael Nußbaum, in eingehender, klarer Weise über die charitativen Einrichtungen der hiesigen Kultusgemeinde, und gab dieses formvollendete Bild Zeugnis, daß dieselbe auf

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