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Liberales Judentum · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Date
1910-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Liberales Judentum Illonafsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in veutkckiand unter der Redaktion von vr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. Hl. No. 10. Jahrgang 2. Oktober 1910. Die Religion der Zukunft. Von Dr. £. Baeck-Dülfeldorf. er eine Wahrheit erworben hat, wird auch an ihrem schließlichen Siege nicht zweifeln. Immer wird eine tiefe Ueberzeugung zum Spruch von den kommenden Tagen, und sie stellt die Frage mach ihnen, nur weil sie die Antwort schon vorher weiß. Zumal die Glaubensgewißheit erbaut sich an diesem sicheren vertrauen; in der eigenen Zukunft findet sie die Zukunft aller Religion. Ls ist für uns Juden wie religiöse Höhenluft, wenn wir uns zu solcher Zuversicht erheben. Hier stehen wir, über all dem Trüben, das aus der Vergangenheit herüberdringt und das die Gegenwart umzieht, an dem klaren Ausblick auf das Ziel, das dem oxfervollen Weg einst danken soll. Unser Glaube an die Zukunft läßt es uns so sehen, und er ist im Grunde sich selbst genug. Aber trotzdem wird er immer seine Rechtfertigung, seinen Beweis auch suchen wollen, er wird die Richtlinien prüfen, die vom Jetzt zum Linst hinüberweisen, was sagt die geschichtliche Entwicklung also zu unserer Hoffnung? Drei Religionen stehen heute, als Großmächte, vornan in der Herrschaft über die Völker. Buddhismus, Christentum und Islam sind die Weltkirchen. Die Religionsstatistik kann nur ungefähre Zahlen bieten, aber man wird doch ein annähernd richtiges Bild gewinnen, wenn man von den anderthalb Milliarden Menschen auf Lrden dem gesamten Buddhismus fast 500 Millionen, den verschiedenen christlichen Bekenntnissen etwa H50 und dem Islam gegen 250 Millionen zuschreibt, wesentlicheres jedoch als die Ziffer^ die ja nur die Arbeit der Vergangenheit angibt, besagt die Ausdehnungskraft, die diesen, Kirchen innewohnt, die fortschreitende Energie, die sie beweisen. Ihnen allen ist die Möglichkeit hierzu gegeben, sie haben die freie Bewegung und den freien Raum. Aber der Buddhismus zunächst scheint am äußersten Ziel der Erfolge bereits angelangt zu sein. Lr bleibt seit langem nur noch, mit träger Zufriedenheit, in den Grenzen des Erreichten. Ueber sein altes Stammland, das sich von Indien und Tibet nach China hinüber erstreckt, hat er überhaupt kaum je hinausgeschaut. So sehr auch, seit Schopenhauers Tagen, sein Vordringen nach 'Europa gelegentlich prophezeit wird und beflissene Runde z. B. von einer buddhistischen Gemeinde in j)aris oder von dem werbenden deutschen Buddhistenmönch, der am Luganer See seine Hütte gebarrt hat, zu erzählen weiß, so gehören diese Lrschei-

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