Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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liberales Judentum FRonafsfchrift für die religiösen Intereklen des Judentums herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion van 0r. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. Dt. No. 12. Jahrgang 2. Dezember 1910. Die Berliner Gemeinderoahlen. ie Schlacht ist geschlagen, der Sieg ist errungen, der Sieger kann sich des errungenen freuen, denn dem Sieg ist ein schwerer Kampf voraufgegangen, und um so glänzender ist der Erfolg. Alles, was anüliberal ist, hat sich unter Führung der Zionisten zusammengetan, um die Liberalen aus der Gemeindeverwaltung zu verdrängen. Der neue jüdische Gemeindeverein ist von den Zionisten ins Leben gerufen. Die Zionisten haben sich mit den Konservativen vereinigt, haben einen oder den anderen mißvergnügten Liberalen mit in ihren Vorstand ausgenommen und haben so den Gemeindeverein gebildet. Daß die ganze Bewegung von den Zionisten ausgeht, ergibt die unzweifelhafte Tatsache, daß in jeder größeren Gemeinde, offenbar auf Anweisung von höherer Stelle aus, die Zionisten einen gleichen Gemeindeverein begründen, indem sie sich gleichfalls mit den Konservativen vereinigen, und indem sie gleichfalls einige mißvergnügte oder schwachmütige Liberale sich angliedern. Das Verfahren wird ganz planmäßig überall verfolgt und in gleicher Weise durchgeführt. R7iL dem neuen Gemeindeverein hat sich der Verein der Gesetzestreuen vereinigt, der natürlich allen Bestrebungen der Liberalen entgegentritt. Der Gemeindeverein hat fernerhin die Vereinigung der Berliner jüdischenHandwerkerzufich herübergezogen und den Handwerkern alle möglichen Versprechungen für den Fall seines Vbsiegens gemacht. Ferner haben sich mit ihm die S'ynagogenvereine 'verbunden, das heißt, die Vereine, die aus irgend einem Grunde in Berlin sich einen besonderen Gottesdienst eingerichtet haben und diesen durch Subvention seitens der großen Gemeinde sich zu erhalten suchen. Endlich ist der T entr alv er ein für die Interessen der jüdischen Gemeinde zu Berlin hinzugetreten, ein Verein, der vor Jahren hier tätig war, seit 3 Jahren nichts getan hat, auch nicht die geringste Veranlassung zu irgend welchen Angriffen auf die Liberalen gehabt hat und dann plötzlich bei der Wahl mit Angriffen auf sie hervorgetreten ist. Der Verein hat immer vorgegeben, nur gleiches Recht für alle zu vertreten, ist aber in Wahrheit stets die Vertretung der konservativen Elemente in den Gemeinden gewesen. Die sogenannte Wittelpartei (Freie jüdische Vereinigung), die dieselben Elemente umfaßt, hat sich zwar