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Liberales Judentum · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 195

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 195 (sequence 27)
Language
German
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o o o o Mir Nürnberger Versammlung — Vortrag non Ar. Frrudrnthal 195 wir treu zur Fahne halten, nimmer und nimmer den Arm sinken lassen werden, nimmer rasten und ruhen wollen, bis unsere Ideen einer liberal religiösen Anschauung allüberall unter den Juden Eingang gefunden haben. Indem ich Sie nochmals namens des Vereins der liberalen Interessen des Judentums willkommen heiße, begrüße ich Sie, und wünsche der Tagung den besten Erfolg. (Bravo!) vorsitzend er. Ich danke den beiden Vorrednern für die freundlichen Worte, ich kann auch 'Ihnen nur versichern, an uns wird es nicht fehlen; wir werden die bestgeleiteten Führer sein, wenn wir ein hinreichendes Gefolge haben. Dr. Freudenthal hat das Wort zum ersten Vortrag. Rabbiner Ar. Frrudrnthal, Nürnberg. (Mit Händeklatschen begrüßt.) Indem auch ich, als der geistliche Führer dieser erst seit wenigen Jahrzehnten wieder bestehenden, seitdem aber von echt religiösfortschrittlichem Geiste erfüllten Rultusgemeinde Sie alle hier in meinem Amtssprengel auf das herzlichste willkommen heiße, gebe ich zugleich meiner Freude darüber Ausdruck, daß ich vor so vielen Igleichgesinnten Genossen, Kollegen und Freunden, das Wort zum ersten Vortrag dieser Tagung ergreifen darf. Ich möchte in diesem meinem Vortrag ein Thema erörtern, das scheinbar ein persönliches Gepräge an sich trägt, das aber in Wirklichkeit eine der für die Allgemeinheit wichtigsten und speziell für die Entwicklung der religiös-liberalen Ideen, in unserer Glaubensgemeinschaft bedeutsamsten Fragen behandeln soll: nämlich die Stellung des Babbinerszurlibe ralen Bewegung imIudentum. Es treten heute noch historische Erinnerungen hinzu, um diese Frage gerade in der fetzigen Tagung als zur Erörterung ganz besonders geeignet erscheinen zu lassen. Abraham Geigers Name ist auf unser aller Lippen. Vor wenigen Tagen haben wir seinen sOOsten Geburtstag festlich begangen, und wir gedenken seiner auch in dieser Versammlung mit hohen Ehren. Ist und bleibt er doch der liberale Rabbiner schlechthin, der Mann, der seine fortschrittlichen Anschauungen aus tiefster wissenschaftlicher, selbständiger Arbeit heraus schöpfte, mit bewunderungswert ehrlichem Mute veröffentlichte, mit unbeugsamer Ausdauer gegen die Anfeindungen von allen Seiten her verteidigte und zugleich in zahllosen vorbildlich gewordenen Formen aus der bloßen wissenschaftlichen Theorie in die Praxis des Lebens übertrug. Der Stellungnahme des Rabbiners zu den Fragen des religiösen Fortschritts galten schon seine ersten öffentlichen Aufsätze, der Ausbildung wahrhaft liberaler Rabbiner seine Wünsche und Strebungen. Wir wandeln in seinem Geiste, wenn wir uns der Behandlung des von mir angekündigten Themas zuwenden, und es scheint mir endlich auch, als ob es geeignet sei, aus den in unserer Vereinigung bisher so zahlreich gepflogenen theoretischen Erörterungen auf das Gebiet praktischer Betättgung dadurch hinüber zu leiten, daß wir uns offen klar zu machen suchen: Was hat die liberale Bewegung im Judentum von den Rabbinern, die sich zu ihr bekennen, zu erwarten und zu fordern? Daß sie vor allem ihre wissenschaftliche Grundlegung, ganz besonders in allen Einzelfragen von den Theologen zu erwarten und zu fordern hat, das ist schon im Ginblick auf Abraham Geiger eine so selbstverständliche und berechtigte Voraussetzung, daß ich sie nicht erst eingehend darlegen möchte. Freilich bietet deren Verwirklichung so manche Schwierigkeit. Nicht jeder Theologe ist befähigt zur wissenschaftlichen Arbeit, und nicht jeder, der befähigt wäre, verfügt über die genügende Zeit und Muße, um neben seiner

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