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Liberales Judentum · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 193

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 193 (sequence 25)
Language
German
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193 Air Nürnberger Versammlung — Grffrntlichr Urrsammlnng bedauerlicher weise heimisch geworden, in einer Epoche, da Interesselosigkeit und Teilnahmlosigkeit gegenüber den Dingen, die sonst das jüdische Herz erfüllten, in erschreckendem Rlaße weit um sich gegriffen —, in diesen Zeitläufen, war es zweifellos das verdienst Id er Männer der liberalen jüdischen Vereinigung das Verdienst dieser Führer in Israel, wenn sie Kräfte, die brach gelegen, hatten und uns verloren zu gehen drohten, wieder zusammenzuschließen wußten, und wenn sie verstanden, aus dem ewig sprudelnden Born des Judentums, sie neu zu kräftigen und zu beleben. Darum ist es ein Gefühl der Dankbarkeit von ganz neutraler Seite aus, wenn die Gemeinde in Nürnberg die Bestrebungen der liberalen Vereinigung des Judentums in Deutschland hochstellt und rühmend anerkennt. Es hat bie liberale Vereinigung des Judentums in Deutschland — bas kann hervorgehoben und betont werden — verstanden, die Heranwachsende Generation — die Hoffnung unserer Zukunft — die sich von den jüdischen Tagesfragen abgewendet hatte, wieder für sie zu erwärmen und zu begeistern. Es ist ihr mit Erfolg geglückt, die Intelligenten, den gebildeten Teil unserer Gemeinden — auf denen unsere Hoffnung beruht, wie sie eine Stütze der Vergangenheit waren — neu heranzuholen; es ist ihr gelungen, bei diesem Kreis der Gebildeten frisches, vertieftes Interesse hervorzurufen, die Begeisterung neu zu entflammen. wenn die liberale Vereinigung des Judentums in Deutschland diesen Ruhmestitel für sich — nach meinem Dafürhalten unwidersprechlich — in Anspruch nehmen kann, so ist es das Recht und die Pflicht unserer Gemeinde — all diese hervorragenden Rlänner — deren Namen zum Teil an sich schon ein Programm bildet — heute herzlich äufzunehmen, freundlich zu begrüßen und zu bewillkommnen, Rkänner, die Vorkämpfer der jüdischen Ideen seit Jahren und Jahrzehnten gewesen, und die kühnlich darauf Anspruch machen dürfen, stets auf der warte gestanden zu sein, wenn es galt, die Ehre und den Ruhm der deutschen Iudenschaft zu wahren. Sie sind nicht so engherzig, in ihrer jDarteitendenz aufzugehen, diese ist für sie nicht Endzweck und Selbstzweck, vielmehr nur eine Etappe zu den hohen 'Idealen des Judentums, ein weg zu seinen hehrsten Zielen. Rlöge Ihr verein getragen von den begeisternden Gedanken zum ganzen Judentum, in Liebe für die Gesamtheit ein Segen und Gewinn für dieselbe werden. Dies der Willkommgruß der jüdischen Gemeinde Nürnberg. Airektor Gombrich. Hochansehnliche Versammlung! Es gereicht mir zur großen Ehre und Freude, Sie alle, meine verehrten Damen und Herren, namens des Vereines für die liberalen Interessen des Judentums in Nürnberg, herzlich begrüßen zu dürfen und Ihnen den Willkomm zuzurufen. Ich — und wir alle, die der liberalen Vereinigung angehören, sind der Vorstandschaft derselben — insbesondere dem Herrn Vorsitzenden — außerordentlich dankbar, daß Nürnberg zur Stadt der ersten Delegiertenversammlung bestimmt wurde. Diese Tagung wird jedenfalls für die Weiterentwicklung unserer liberalen Ideen in Nürnberg und in Bauern von weittragender Bedeutung sein. Sie tagen heute in einer Stadt, die eine große Vergangenheit hinter sich hat, und die schon im RlitteKrlter zu den bedeutendsten Städten Deutschlands zählte; ihre Blüte im Rlittelalter ist Ihnen allen bekannt. Durch die Verhältnisse xoliüsch-wirtschaftlicher Art erlebte die Stadt einen Niedergang, und nach einem Tiefstand, der fast zwei Jahrhunderte andauerte, hat sie sich seit dem vorigen Jahrhundert wieder erhoben, ihre Schwingen ausgedehnt und ist zu einer Be-

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