Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1910)
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 167 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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0 0 o o Rundschau 167 Berichtigung! Am Schlüsse meiner Uebersetzung in der 2lprilnummer finden sich zwei Zrrtümer, auf die mich der geehrte Verfasser, Herr Rabbiner Dr. s)hilipson in Tincinnati, in liebenswürdiger Weise aufmerksam macht. Den Rabbinern der alten Schule soll keine Unkenntnis der hebräischen Sprache nachgesagt werden, sondern Unkenntnis der hebräischen Grammatik (im Urtext: grammar). Desgleichen soll es von den Männern und Frauen, die moderne Bildung in sich ausgenommen hatten, nicht heißen, ihre religiösen Anschauungen seien höher, sondern sie seien freier (im Urtext: broader) gewesen, als die der altgläubigen Rabbiner. Elberfeld, 20. 5. (0. D r. Norden. Kunätdiau. Heilbronn, Mai (9(0. Die Ortsgruppe Heilbronn hat ihren ersten Erfolg zu verzeichnen. Der hiesige wohltätigkeitsverein, dem fast die gesamte Gemeinde angehört, hat bisher, wenn die Asche eines Feuerbestatteten auf dem Friedhof beigesetzt werden sollte, weder den Leichenwagen zur Verfügung gestellt, um die Asche vom Krematorium zum Friedhof zu bringen, noch die erforderlichen Träger aus den Reihen der Mitglieder bestimmt. Auf den Antrag der Ortsgruppe find nun in beiden Punkten die Satzungen geändert worden. Dabei haben wir, um unsere Toleranz zu erweisen, selbst die Einschränkung vorgeschlagen, daß auf Wunsch diejenigen Mitglieder vom Trägerdienst zu befreien sind, welche religiöse Bedenken dagegen haben. Dies hat freilich die Orthodoxen nicht abgehalten, uns in heftiger weise anzugreifen. Wir haben jedoch für unsere Anträge eine Mehrheit gewonnen, und es ist durch unser Vorgehen das Ansehen des Liberalismus am hiesigen jAatz so gefördert worden, daß wir die Zahl der Mitglieder unserer Ortsgruppe in rascher Folge auf 5^ erhöhen konnten. Dr. G. Kreslau, den (^ Mai (9(0. Seitens des Vorsitzenden unserer „Liberalen Vereinigung", Herrn Zustizrat Breslauer, ist vor kurzem der Ruf an die Ortsgruppe ergangen, zum Andenken an Abraham Geiger's (00. Geburtstag eine Lrinnerungsfeier zu begehen. Wir unsrerseits haben auf diesen berechtigten Hinweis nicht gewartet, sondern waren schon vorher mit Herrn Geheimrat Geiger-Berlin in Verbindung getreten, damit er bei uns in Breslau, wo Geiger so erfolgreich gewirkt, die Festrede halten möge. Die Feier fand am 7. Mai statt unb wurde von Herrn San.-Rat Dr. Reich mit einer würdigen Ansprache eröffnet. „Zum zweiten Mal", so begann Herr Dr. Reichs „zum zweiten Mal seit Bestehen unseres Vereines laden wir Sie zur Jahrhundertfeier eines Großen in unserer Glaubensgemeinschaft ein. Vor vier Zähren galt es dem Andenken Gabriel Riesser's, dessen Name für immer verknüpft bleibt mit den Bestrebungen für die Emanzipation der deutschen Zuden. Der Emanzipation der deutschen Zuden galt auch das Lebenswerk Abraham Geigers, dem die heutige Feier gewidmet ist. Nicht ihrer Emanzipation nach außen, sondern nach innen. Er befreite unsere heilige Gotteslehre von dem Staube, den Jahrhunderte alte Formenstarrheit, veraltete,, unschöne und abstoßende Zeremonien um sie gelegt hatten. Er lehrte uns wieder den Ewigkeitswert unserer Religion und die Minderbewertung alles dessen, was aus der Zeit entstanden und für die Zeit bestimmt war. Zn langem, schwerem, aber siegreichen Kampfe mit der Orthodoxie reformierte er den Gottesdienst, reformierte er den Religionsunterricht unserer Zugend den Bedürfnissen der Zeit und den Bedürfnissen der Glaubensgenossen entsprechend, die die Kultur und die Bildung der Zeit in sich ausgenommen. wo immer seines Geistes ein Hauch verspürt wird, wird man in diesen Tagen seiner mit dankbarer Pietät gedenken. Nirgends mit mehr Berechtigung, nirgends mit einem höheren Grade von Verpflichtung, als hier in unserer Gemeinde. Hier fand er den geeigneten Boden,.