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Liberales Judentum · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 109

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Date
1910-05-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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o o o o Friedrich Brauer: Ein lideroles Msgwa 109 sätze aufstellt und Institutionen schafft. Was wir an der Orthodoxie bekämpfen, ist nur ihre Exklusivität; der Anspruch, den sie erhebt, allein den Namen „Judentum" tragen zu dürfen. Im übrigen aber ist für den Liberalen Raupr genug in des Vaters Ljau.se. Die „Liberale Vereinigung" geht nicht auf Eroberungen aus, sondern sie will nur innerhalb des Judentums die gleichartigen Elemente sammeln und organisieren. Das besagt ausdrücklich die Resolution: „Wie der religiöse Liberalismus das Selbstbestimmungsrecht der Grthodoxie in ihren religiösen Angelegenheiten anerkennt und jeden Gewissenszwang verwirft, so verlangt er das gleiche Recht und die gleiche Freiheit für sich." Ferner: „Unser Programm enthält die Forderungen, die der jüdische Liberalismus für sich aufstellt und im Gemeindeleben betätigen will; dem liberalen Prinzip der Gewissensfreiheitentsprechend wird bei seiner Durchführung den lokalen Verhältnissen Rechnung zu tragensein." Von einer destruktiven Tendenz der „Liberalen Vereinigung" kann also durchaus nicht die Rede sein. Sie will nichts Bestehendes niederreißen, sie will nur endlich nicht mehr die Vogel Strauß-Politik treiben und entgegen aller Wirklichkeit die Illusion aufrecht erhalten, als ob im Judentum es heute noch so sei, wie vor 300 Jahren. (Fortsetzung folgt.) 6n liberales Dogma. Von friedlich Brauer. s ist der Stolz jedes religiösen Liberalismus, daß er sich frei fühlt von jedem Glauben an bestimmte unabänderliche Dogmen. Dieser Stolz ist nicht unberechtigt, wena der Liberale sich 'bewußt bleibt, daß es auch in seiner Richtung bestimmte Anschauungen, Meinungen, Sätze gibt, und geben muß die in den Betrachtungen seiner Gesinnungsgenossen immer wiederkehren und dadurch für diese eine fast dogmenartige Unfehlbarkeit bekommen. Die „liberalen Dogmen" müssen aber, wenn ihr Gebrauch Sinn und Wert für die Anhänger des Liberalismus haben soll, wirklich dem liberalen Ideenkreis entsprechen. Sie dürfen nicht blos Schlagworte sein, von deren Bedeutung die Liberalen garnicht durchdrungen sind. Denn derartige Schlagworte können dadurch, daß Außenstehende sie für Abflüsse des Ideengehalts der Partei halten. für Bestand und Agitationskraft äußerst bedenklich werden, mögen sie prinzipieller oder taktischer Natur sein. Setzt sich nun die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland nicht der oben bezeichneten Gefahr aus? Dadurch nämlich, daß sich in ihrer Monatsschrift immer und immer wieder die Einweisung an die Anhänger wiederfindet: Der Rampf des liberalen Judentums müsse sich richten gegen die „Indifferenten"; dies gepaart meist mit der beruhigenden Versicherung nach rechts, die Orthodoxen dagegen wolle man in ihrer Ueberzeugung nicht beeinträchtigen. Manchmal auch in der vorsichtigeren und eher zu rechtfertigenden Form „Gegen den Indifferentismus." Und wunderbar, selbst bei ausgesprochenen Vertretern entschiedener Strömungen im religiösen Liberalismus findet sich dieser Satz, bei Persönlichkeiten, die es vermutlich weit von sich weisen würden, damit der Orthodoxie irgendwie entgegenkommen zu wollen; es braucht nur auf die Nummer 2 des zweiten Jahrgangs verwiesen werden. Das ist wohl nur dadurch zu erklären, daß der oft wiederholte Satz,

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