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Liberales Judentum · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Date
1910-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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liberales Judentum Hlonatsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in veutfckland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. Ul. No. Z. Jahrgang 2. IHärz 1910. Der Entwurf eines Organisationsgeseßes für die preußischen Synagogengemeinden und seine Gegner. Vortrag, gehalten im liberalen Verein der Synagogengemeinde zu Breslau van Landgerichtsrat Coerne- Berlin. Meine Damen und Herren! ls vor einiger Zeit der Vorsitzende des Hiesigen liberalen Vereins an mich das Ersuchen richtete. Hier einen Vortrag über den Entwurf des Grganisationsgesetzes zu Halten, trug ich zunächst Bedenken, diesen ehrenvollen Auftrag anzunehmen. Denn ich bin überzeugt, daß ich in den für .unsere Glaubensgemeinschaft zu verfolgenden Zielen in allen wesentlichen Punkten mit Ihnen einig bin, Ihnen also nichts zu sagen haben werde, was Ihnen neu sein könnte. Außerdem habe ich mich schon in Berlin eingehend über den Entwurf geäußert; der Vortrag ist gedruckt und wohl auch hier von einzelnen gelesen worden. — wenn ich mich nun doch entschlossen habe, den Auftrag anzunehmen, so geschah es, um noch vor der Beschlußfassung der Kommission, ob die Arbeit fortzusetzen sei, mit Ihnen Zeugnis dafür abzulegen, daß die Liberalen in den großen Gemeinden bereit sind, Einschränkungen der Selbständigkeit der Gemeindeverwaltung und finanzielle Lasten auf sich zu nehmen, damit den Schäden abgeholfen werde, unter denen die preußische Iudenheit leidet. Es liegt mir dabei fern, die Gegner des Entwurfs herabsetzen zu wollen. Als Liberaler achte ich selbstverständlich fede Ueberzeugung. Ich möchte aber versuchen, Irrtümer und Bedenken zu beseitigen und Zweifelnde für die Grundzüge des Entwurfs zu gewinnen, damit wir auf dieser Grundlage in die dritte Lesung eintreten und sie beenden können. Denn wir können den Gesetzentwurf der Königlichen Staatsregierung nicht einreichen, wenn er nicht von einer ansehnlichen Mehrheit der preußischen Juden gebilligt wird. Die Situation wird treffend gekennzeichnet durch eine neuerliche Erklärung des bayerischen Kultusministers, der sich hinsichtlich einer Aenderung der bayerischen Iugendgesetzgebung folgendermaßen äußerte: „Ich habe schon betont, daß die schwierige Aufgabe einer Revision für die Staatsregierung wesentlich erleichtert werden könnte, wenn erst einmal die Israeliten selbst darüber einig wären, was sie anstreben wollen." Meine Damen und Herren, ich bin überzeugt, daß auch in Preußen die Staatsregierung den wünschen der Juden bezüglich der Organisation entgegenkommen wird, wenn

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