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Liberales Judentum · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 48

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Date
1910-02-01
Page
Seite 48 (sequence 24)
Language
German
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48 Rundschau religiöse Gleichgiltigkeit breiter Schichten des Judentums zu brechen. Er behandelte alsdann eingehend die Mittel im Kampf gegen den Indifferentismus und trat besonders warm für die Hebung und Förderung der religiösen Jugendfürsorge ein. Reicher Beifall der den Saal bis auf den letzten j)latz füllenden Zuhörer lohnte den Redner. In Cstn sprach am 25. Januar im dortigen Äießerverein Herr Rektor (Loblenz mit außerordentlichem Beifall über „religiöse Strömungen im neueren Judentum." Nach einem historischen Rückblick auf die religiösen Rümpfe in vergangenen Zeiten führte der Redner etwa folgendes aus: Gine Zeit ruhiger gesunder Entwicklung des Judentums begann, als eine neue Generation von Rabbinern entstanden war, die universales wissen und jüdische Gelehrsamkeit mit einander vereinigten. Bahnbrechend wirkten Abraham Geiger und Samson Raphael pirsch. pirsch lehrte unverbrüchliches Festhalten an Thora, Talmud und Schulchan Aruch unter Leugnung jeder Entwickelung. Lr forderte Nachdenken über die Gesetze, da in jedem Gesetz eine sittliche Idee zu erblicken sei. Ueber dem Nachdenken stehe aber die Pflicht unbedingter Erfüllung aller Gebote. Geigers Kampf richtete sich ebenso gegen jedes unhistorische Reformieren wie gegen jeglichen Stillstand, da die Gegenwart auf der Vergangenheit beruhe und daher organische, historische Entwickelung der Religion geboten sei. Gegenüber der Anschauung der Neuorthodoxie, lehrt der Liberalismus, daß die mündliche Lehre wieder ausgenommen und zeitgemäß fortentwickelt werden müsse. Bezüglich der Stellungnahme zur Fortentwickelung ist zu unterscheiden zwischen einem gemäßigten Fortschritt, der für eine langsame Fortentwickelung eintritt, und einem entschiedenen Fortschritt, der den Zeitverhältnifsen Rechnung trägt und im Aufbau des Religionsgebäudes die Ergebnisse der neueren Religionswissenschaft berücksichtigt. Zwischen den Orthodoxen und Fortschrittlichen beider Richtungen kann es keine Verständigung geben. Zwischen ihren Lehren besteht ein unlösbarer Widerspruch. Dieser Kampf, der ohne Gehässigkeit unter Achtung der gegenseitigen Ueberzeugung geführt werden muß und kann, bedeutet Leben und bewahrt vor Stagnation. Reine Achtung verdienen die Scheinorthodoxen der Gegenwart, die dem „Volke" die Religion unverändert buchstäblich erhalten wollen, sich selbst aber über alle Vorschriften hinwegsetzen. Solange es Menschen gibt, bei denen die Phantasie und Neigung am Romantik vorherrscht, wird es Orthodoxe geben, und liberal werden stets diejenigen sein, die unter dem Einflüße kritischen Verstandes ihre Zweifel nicht unterdrücken können. Rampf zwischen diesen beiden Weltanschauungen wird und soll sein. Der gemeinsame Rampf aller überzeugten Orthodoxen und Liberalen muß sich richten gegen alle religiös Indifferenten, gegen die Scheinliberalen, die Scheinorthodoxen und die neueste Vertuschungsorthodoxie der freien jüdischen Vereinigung. Auf der Grundlage eines solchen Kampfes kann und wird das Judentum gedeihen. In Fürth (Bayern) hielt Dr. Seligmann - Frankfurt am ^5. Februar einen Vortrag, infolgedessen sich dort eine Ortsgruppe konstituierte, welcher sofort etwa O0 Milglieder beitraten. Nachtrag. In der Rundschau von Nr. t d. I. ist durch ein Versehen des Setzers Hamburg und Görtrh unter den Ortsgruppen ausgelassen worden. Gleichfalls nachzutragen ist unter den Vorträgen der von Dr. med. Winter in Magdeburg gehaltene Vortrag über „die liberale Bewegung im Judentum." He raus ge geben von der Vereinigung für das liberale Judentum 28 erlin 62, Heiligegeiststraße 45. Nur die Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. L. Seligmann, Arankfurt a. AlVliefenau 50. Druck und Expedition von Voigt <L> Gleiber, Arankfurt a. Al., Vibergasse 6.-

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