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Liberales Judentum · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 24

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 Rundschau o o o o Saarbrücken, im Dezember ^909. Am 30. November fand im großen Saale des Tannhäuser die erste Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Saarbrücken der Vereinigung für das liberale Judentum Deutschlands statt. Außer den Mitgliedern (30) war auf Einladung der größte Teil der Gemeindemitglieder mit ihren Damen erschienen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Herrn. Röster, begrüßte die Versammlung, gab einen kurzen Ueberblick über die Entstehung der liberalen Vereinigung, kennzeichnete ihre Ziele und stellte den Redner des Abends, Herrn Rabbiner Dr. Täsar Seligmann der Versammlung vor, indem er ihm das Wort zu seinem Vortrage: „Die religiöse Bewegung im Judentum der Gegenwart" erteilte. Der Redner verstand es, \?k Stunden lang die Versammlung zu fesseln. Er skizzierte die drei religiösen Richtungen des Judentums der Gegenwart. Vor dein wahrhaftigen orthodoxen Juden, der in stiller Frömmigkeit und Ueberzeugungstreue opferfreudig in den Wegen der Väter wandte, habe er die größte Achtung; aber die Zahl der wirklich Altfrommen ist gering und sie wird täglich kleiner. Zn scharfer Weise aber geht der Redner mit denen ins Gericht, die liberal denken und liberal leben, aber dennoch sich auf seiten der Orthodoxie stellen; das ist eine innere Unwahrhaftigkeit, ein unhaltbarer Zustand, der schuld sei an der immer größer werdenden Zahl der Zndifferenten. Den Zndifferentismus zu bekämpfen, sei die liberale Vereinigung gegründet. Wir haben der gegenwärtigen und den nachfolgenden Generationen gegenüber Verpflichtungen, wir müssen ihnen das Zudentum so lehren, daß sie Freude daran haben. Nachdem Redner noch die einzelnen programmpunkte beleuchtet hatte, schloß er unter dem langandauernden Beifall der zahlreichen Versammlung. Zn der an den Vortrag sich anschließenden Diskussion entwickelten zwei Redner ihre Zdeen vom Standpunkte des Zionismus und Sozialismus, welchem Beginnen der Vorsitzende Einhalt gebot durch die Bitte, die Angelegenheit nicht auf das politische Gebiet zu bringen. Mit Recht wies daher der dritte Redner, Herr Rantor Lißner, darauf hin, daß die Vorredner eine Verschiebung der Aufgabe der Versammlung sich zu schulden kommen ließen. Die Angelegenheit sei eine eminent religiöse und keine politische. Mit den Ausführungen des Vortragenden erklärte er sich einverstanden, der Boden sei in hiesiger Gemeinde für diese Zdeen schon lange vorbereitet, nur möchte er doch von der Theorie sich auf den praktischen Standpunkt begeben und frage an, wie die Programm- Punkte der liberalen Vereinigung zu verwirklichen seien. Herr Dr. Seligmann bemerkte: Da könne man nicht schablonenmäßig Vorgehen, sondern man müsse aus den Verhältnissen und Bedürfnissen der einzelnen Gemeinden heraus Einrichtungen treffen. Unter anderem teilte er auch mit, wie jetzt in Frankfurt der Freitag-Abendgottesdienst zu einem Zugendgottesdienst, der zahlreich besucht ist, umgestaltet worden. Auch diese Ausführungen fanden vielen Beifall. Darauf schloß der Vorsitzende unter herzlichen Dankesbezeugungen an den Redner die Versammlung. Zn die aufgelegte Liste zeichneten sich sofort eine Anzahl der Erschienenen ein und stehen weitere Anmeldungen zu erwarten. Wir werden über das Resultat später berichten. Weitere Propaganda - Versammlungen fanden statt in Elberfeld und Hamburg, wo Zustizrat Dr. Ernst Auerbach, in Nürnberg, wo Zustizrat Dr. Blau, in Frankfurt a. M., wo Professor Dr. Goldstein und in Gffenvach am Main, wo Rabbiner Dr. T. Seligmann sprach. Le raus ge geben von der Vereinigung für das liberale Judentum Verl in C 2, Lei ligegeist straß e 45. Nur die Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. Ä. Keligmann, Arankfurt a. Al., Viefenau 50. Druck und ÄXpedition von Voigt äs Kleiber, Nrankfurt a. M., Möergaffe 6.

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