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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 16 (1909) · p. Seite 384

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
16 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 384 (sequence 24)
Language
German
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384 Rrr rrdschsrr im Verein hin, das offensichtlich beeinflußt ist von der Gründung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland und seinen Ausdruck finde in der Zunahme der Mitgliederzähl, in der lebhafteren Beteiligung an den Versammlungen. Das Hauptinteresse des Abends konzentrierte sich auf den Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Felix Goldmann-Gppeln, der über „Die religiöse Erziehung der Zugend im liberalen Sinne" sprach. Der Vortragende betonte im Beginn seiner Ausführungen, daß der Liberalismus die Pflicht habe, positiv zu arbeiten und daß kein Gebiet eine positive Arbeit dringender erheische, als die Erziehung der Zugend. Zwei Faktoren kämen in Betracht, die Schule und das Ls aus, welche die Theorie xmd die Praxis, die Lehre und das Leben verkörperten, und auf deren verständigem Zusammenarbeiten die Zukunft der Zugend und des liberalen Zudentums überhaupt beruhten. VOas das Hebräische, betrifft, so hat der Liberalismus die Aufgabe, den Gebetstoff, der in hebräischer Sprache gesagt wird, mit dem, was die Schule leisten kann, in eine gewisse Uebereinstimmung zu bringen, sowie sein Hauptaugenmerk auf Systematik und Methodik des Unterrichts zu werfen, von Zeremonien soll der Religionsunterricht nur diejenigen lehren, welche religiöse Gedanken symbolisch darstellen und eine ästhetische und geschichtliche Bedeutung besitzen. Die Bibel ist als ethisch-religiöses Buch zu be-. trachten; daher wird aus ihr nur der sittlich und religiös wichtige Stoff behandelt. Der Bibelunterricht darf in seinen Ergebnissen mit den Resultaten der Wissenschaft, nicht in Widerspruch stehen. Eine systematische Darlegung der Religionslehre ist unerläßlich. Das Rind muß nicht nur wissen, daß es Zude ist, sondern warum es Zude ist und soll über einen Schatz a p o l o g e - tischenWissens verfügen. Bei der nachbiblifchen Geschichte ist weniger wert auf die Menge des Stoffs als auf die leitenden Zdeen zu legen. Dieser Unterricht soll im Rinde Glaubenstreue, Beg eisterungfürdieAufgabenderGemeinschaft und edles Selbstbewußtsein erwecken. Der Abschluß der Schulerziehung soll eine Ronfirmation bei Rnaben und Mädchen sein, die in ein.späteres Alter als jetzt gelegt werden muß. Das liberale Zudentum betont die Wichtigkeit der Frau im religiösen Leben, weil es weiß, daß das Haus vollenden muß, was die Schule beginnt. Ein Ronflikt zwischen Haus und Schule darf nicht Vorkommen, was die Schule fordert, muß im Hause durchgeführt werden. Das Haus muß die Rinder zum Gebet anhalten und ihnen die weihevolle poetische Zeremonie Vorleben. Das Haus soll auch das Selbstbewußtsein des Rindes erwecken und nicht nur gute Menschen, sondern auch gute Zuden heranbilden. Es gilt das unfreie Wesen zu bekämpfen, das ängstlich auf das Urteil der Andersgläubigen hört, um davon sein Verhalten abhängig zu machen. Der Liberalismus hat die Aufgabe, einen regenerierenden Einfluß auf das deutsche Zudentum auszuüben. Er hat dazu die R r af t, solange er lebendiges Zudentum ist. Zn diesem Zusammenhang berührt der Redner die neugegründete „Freiever - einigung", die er als ein durchaus orthodoxes Gebilde charakterisiert, dessen einziges Bestreben es ist, das jetzt sich regende kräftige religiöse Leben zu ersticken und den herrschenden Zndifferentismus des deutschen Zudentums auf ewige Zeiten zu erhalten. Die jüdische Zugend, welche Schule und Haus in das Leben senden, muß sich später der Zugendorganisation anschließen. Es gilt, die dereinstigen Arbeiter für die großen Ziele und Organisationen des Zudentums heranzuziehen, sowie in diesen Organisationen dem liberalen Gedanken zu seinem Rechte zu verhelfen. Der inhaltreiche Vortrag fand außerordentlichen, einmütigen Beifall. Ueber die zahlreichen weiteren Versammlungen soll in der nächsten Nummer berichtet werden. L e raus ge geben von der Vereinigung für das liberale Judentum Aerlin 6 2, Heiligegeiststraße 45. Aür die Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. Ä. Seligmann, Nrankfurt a. Al., Wiefenau 50. Druck uub Expedition von Voigt 6& Kleiber, Arankfurt a. Al., Aibergasse 6.

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