Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 12 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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o o 0 o Mas Kirschstern: Gin neues Gebetbuch 271 Im Augenblick, wo die Oxfergebete und die Erinnerungen an den Tempeldienst aus dem Gebetbuch entfernt wurden, ist natürlich auch die überlieferte Einteilung in Schacharis, Mussaph, Minchoh und Maariw hinfällig geworden. Es wäre nun wohl angebracht, das Minchohbezw. das Lchacharisgebet von den festlichen Gottesdiensten zu trennen und entweder für die häusliche Andacht zu bestimmen oder einen separaten Gottesdienst hierfür einzurichten. Auch müßten anstelle der entfallenden hebräischen, neue deutsche Gebete in schlichter, herzenswarmer Sprache eingeführt werden, die die Bedeutung des Festes zum Gegenstand haben und fromme Wünsche zum Ausdruck bringen. — Für die Abfassung des neuen Gebetbuchs möchte ich also folgende $ Punkte aufstellen: Beseitigung der Wiederholungen. 2. Ausscheidung der Gebete, die bisher nur mit Korrekturen beibehalten werden konnten. I. Gottesdien st Freitag Abend: a) wie schön sind deine Zelte, Jakob. b) Psalm 95—99/ Psalm 29, je ein Psalm hebräisch oder deutsch. c) Deutsches Gebet des Rabbiners, ä) L’cho dodi (gekürzt). e) Psalm 92 und 92. — Kadisch josom. f) Maariw in gekürzter Form. g) Kidiisch wie bisher. h) Olenu deutsch. Kadisch josom. II. Gottesdien st Vorabend: a) Linleitungsgebet und zwar: Pessach, Psalm (8. (An den vier Abenden verschiedene Verse.) Schowuos, Psalm HO, Vers 1—(2. Sukkos, Psalm 27. b) Deutsches Festgebet des Rabbiners. c) Maariw in gekürzter Form. d) Kidusch und Kadisch josom. 5. Einfügung von Psalmen und deutschen Gebeten. H. Besonderer Gottesdienst für Minchoh an den Vorabenden der Sabbate und Feste; das Lchacharisgebet werde mit Ausnahme des Neujahr- und Versöhnungstages für die häusliche Andacht bestimmt. — Wenn die Rabbiner den vielfach geäußerten Wünschen nach Abänderung des Gebetbuchs bisher nicht Rechnung getragen haben, so liegt das wohl hauptsächlich daran, daß sie, unter dem Zwang, auch in den nach altem Ritus geführten Synagogen zu fungieren (wie dies ja beispielsweise in Berlin Sitte ist) fürchten mußten, ihre orthodoxen Hörer zu verletzen, wenn sie irgend einer Reform das Wort reden würden. So muß natürlich die Anregung von anderer Seite ausgehen, und ich Bitte es nicht als Ueberhebung zu deuten, wenn ich in folgendem in Umrissen eine Aufstellung für einen Gottesdienst gebe, der den obigen Anforderungen entspricht: für den Sabbat. Sabbat vormittag: a) Psalm 8H, deutscher Thorgesang. b) Thoravorlesung und Gemeindelied. c) predigt. d) Die Schemone esre mit Verkürzung nach Grundsatz 2. o) Psalm 36, Vers 8—\0. f) Kadisch josom. für den Festtag. Rtorgengottesdienst: a) Einleitungsgebete zur Auswahl: Psalm 33, 2% HH (Vers \—9), H6, 67. b) Hallei. c) Ausheben der Thora nebst Seelenfeier an den Hauptfesten. d) Das Achtzehngebet mit Verkürzung laut Grundsatz 2. e) Priestersegen des Rabbiners. f) Deutscher Schlußgesang. — Kadisch josom.