Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 11 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Krrch erschau 263 Maße geschieht, die Menschen ihr Sorgen und Rümpfe in Stolz selbst tragen wollen, dann hätte dieses Raxitel eine wirkliche Bereicherung der Literatur über dieses Problem werden können, so aber muß man es ablehnen, denn prophetisch ist dieser Gedanke nicht. Auch das Kapitel „Unsterblichkeit der Seele" ist nicht einwandsfrei. lvir sollen an die Unsterblichkeit glauben, weil die Seele dann in einer anderen Welt sich dem heiligen Gott bis zur Vollkommenheit annähern wird. Liier auf Erden können wir nur nach Heiligkeit streben, heilig sein können wir nur in einer anderen U)elt. Das soll auch der Sinn von 2. Mos. 33, \8 bis 20 sein. Und ferner sollen wir an sie glauben, weil wir hoffen, daß dort für das schwere Leid, das so viele ohne ihr verschulden trifft, ein Ausgleich geschaffen werden wird. Aber weist Verfasser nicht selbst einen Zusammenhang zwischen verschulden und Leid ab? Und auch das Erste ist für den modernen Menschen nicht zu akzeptieren. Ganz abgeseherr davon, daß damit die Anschauung von der Unsterblichkeit materialisiert wird, — denn wie soll man sich bies Fortleben in der anderen Welt denken? —, ist es uns heute schlechthin unmöglich, von einem „heilig sein" ohne stete Handlung zu reden. Heilig sein heißt, sittlich leben und handeln, Und das können wir in der anderen Welt schwerlich. Die Verquickung von Unsterblichkeit mit Lohn und Strafe sollte doch nicht mehr angebracht werden. Da ist mir der einfache Hinweis des Verfassers darauf, daß in der Bezeichnung des Menschen als Ebenbild Gottes der Unsterblichkeitsgedanke im Reime vorhanden ist, viel lieber und auch wirksamer. Besonders wichtig ist das Rapitel „Die Glaubensgemeinde", denn im Anschluß daran behandelt Verfasser die Zeremonialvorschriften. Ihn leitet dabei der Gedanke, daß die Zeremonien sinnbildliche Handlungen sind, in denen die religiösen Ideen des Bekenntnisses anschaulich dargestellt sind; ohne sie und ihre Uebung kann die Glaubensgemeinschaft nicht bestehen. Ich finde, daß diese Einfügung der Behandlung der Zeremonien in das Rapitel von der Glaubensgemeinde ein geschickter Griff ist und Nachahmung verdient, von den Zeremonien selbst behandelt Verfasser nur diejenigen, in denen die Religion auch in der Geffentlichkeit Ausdruck findet, das sind im Wesentlichen die mit dem Sabbat und den Festtagen im Zusammenhang stehenden; die einzelnen Zeremonien für das häusliche und private Leben will er der Besprechung des Lehrers selbst überlassen. Man mag streiten, ob das richtig ist, ob nicht zum mindesten diejenigen Bräuche des häuslichen und privaten Lebens, die von der Volksseele als wichtig empfunden werden, ausdrücklich Erwähnung hätten finden müssen; es ist aber jedenfalls das gute Recht des Verfassers, nachdem er in der Einführung jenen Gesichtspunkt geltend gemacht hat, nach ihn) sein Buch aufzubauen. In der Tat wird es ja schwer sein, ja fast unmöglich, die Zeremonialvorschriften zur Zufriedenheit aller religiösen Schattierungen in einem Lehrbuch zu erörtern, der Schwerpunkt wird da immer in der Persönlichkeit des Lehrers liegen, der seinen Unterricht so einrichten muß, daß er alle religiös interessiert und alle sammelt, und von dieser Erwägung aus ist es vielleicht richtig, nur im Prinzip die Notwendigkeit der Zeremonien und deren Uebung auszusxrechen und das Einzelne dem Lehrer zu überlassen. Nicht zu billigen aber vermag ich in diesem Rapitel die ganze Auseinandersetzung auf S. 99 von dem „Ineinklangbringen des zeremoniellen Lebens mit unserem Denken und Fühlen." Das ist an sich ja ganz richtig, gehört aber nicht in ein Lehrbuch hinein; will man es hineinbringen, dann hätte man vorher alle Zeremonialvorschriften anführen müssen und zeigen müssen, wie man sie nüt unserem Fühlen in Einklang bringt. Denn der Schüler muß positives haben, ihm ist mit diesen Worten, die ja schon bei Erwachsenen, wie wir zu sehen Gelegenheit hatten, schwerem Mißverständnis ständig ausgesetzt sind, nichts geholfen, er wird da nur verwirrt. Einzelheiten noch: Schief ist die Uebersetzung fjiob 29, meil mit „Talar"; zu Ezech. J8, 20: „Die Seele, die sündigt, soll sterben," bemerkt Verfasser, nur auf das sittliche Sterben darf dieser Ausspruch angewendet werden, die Sünde richtet uns sittlich zugrunde; eine solche Auslegung mag in einer predigt hingehen, wo die homiletische Freiheit mancherlei Auslegung gestatten kann, aber als Wortsinn kann sie nicht