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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 6 (1909) · p. Seite 140

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
6 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 140 (sequence 20)
Language
German
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140 Erdicht: Nabbi Simeon den Ischai. fung, aus dem tiefen Widerspruch zwischen Religion und Leben heraus das liberale Judentum zu neuer Morgenfrische erwachen müsse. Das zweite Heft stellt ein Lied und eine einleitende Betrachtung zum Versöhnungstag an die Spitze. Mir ist kaurn ein Artikel begegnet, der nicht — bei aller Freiheit in rituellen Dingen — auf den Glauben der Väter zurückginge." Nach einem längeren Exkurs kommt der Verfasser noch einmal auf die Zeitschrift zurück und hebt vor allem einen Aufsatz hervor, „welcher so recht den Lharakter einer Unterströmung kennzeichnet, die sich in der Gegenwart noch zurückgedrängt weiß, aber für die Zukunft arbeitet. Gr findet sich im zweiten Heft unter dem Titel „Mutter und Rinder, von einer jüdischen Mutter." von dem, was diese jüdische Mutter ihren Rindern ins Leben mitgeben möchte, könnte jede christliche Mutter ähnliches lernen." Kabdi öimeon ben Jochai. Nach einer talmudischen Legende. fu großer Rabbi Simeon, wie war dein Herz so glühend! Du liebtest, wie Kein Andrer liebt, und haßtest blitzesprühend! wer hat sein Volk so heiß geliebt, sein Weiser und verwester! wer hat die Römer so gehaßt und ihren stolzen Kaiser! Sei auf der feut, verbirg dich gut! Der Kaiser streckt die Rechte, Du bist verkauft, flieh, Simeon! Schon drohen seine Knechte! Und Simeon mit seinem Sohn entfloh bei Sturm und Dunkel, Kein Sternlein gab ihm das Geleit mit tröstlichem Gefunkel; Und von der Lrde schwanden sie: wo sind sie hingeschwunden? Und eine Höhle fanden sie, die nie ein Mensch gefunden. Zwölf dunkle Jahre fern dem Licht im engen Selsenloche! Und Äuch war Simeons Gebet, Haß Tag und Sluch die Woche, Und lebte er, er lebte nur, des Sohnes Haß zu stärken: „Ich Hab gehaßt in Worten nur, du hastest einst in Werken?" Zwölf Jahre lang. Linst in der Nacht, da hört er Slügelschlagen Und eine Stimme: „Simeon, dir will ich Großes sagen; Der Kaiser ist gestorben! Auf, du sollst die Botschaft bringen!" Llia war's, der durch die Welt hinfliegt auf Adlerschwingen. Da küßte Simeon den Sohn, sie traten aus der Höhle, Sie traten in die Nacht und groß stand Gott vor ihrer Seele; Sie eilten durch die Nacht dahin, zu ihrem Volk zu kommen. Und sahn von ferne schon ihr Dorf; der Morgen war erglommen.

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