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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 6 (1909) · p. Seite 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
6 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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Ar. Morden: Usch einmal die Saddatftage 131 gedanken bei uns fördern. Diese beiden Fundamente aber, meint Herr Raemy, wird sich der moderne Jude verpflichtet fühlen, „zur Erreichung der höchsten Menschheitsziele treulich zu hegen und immer vollkommener auszubauen". Das ist nun aber ganz dasselbe, was die Sabbatfeier anstrebt. Mag diese darum auch eine „äußere Einrichtung" sein, so unterscheidet sie sich doch von den meisten andern äußeren Einrichtungen durch die Höhe der von ihr angestrebten Ziele. Für die Erhaltung solcher äußeren Einrichtungen zu wirken, ist doch wohl noch des Schweißes der Edlen wert; und wie das geschehen kann, das macht mir allerdings etwas mehr Kopfzerbrechen, als Herrn Raemy, der einfach erklärt: „Was dagegen den Sabbat betrifft, lasse man die Schwarzseherei. Er ist eine jüdische Institution, und die jüdische Gemeinde hat die Pflicht, ihn als solche zu pflegen." Sehr schön gesagt, nur daß es Worte sind, vom grünen Tisch gesprochen. Wer ist denn „die jüdische Gemeinde"? Doch wohl Oie G e - meindemitglieder. Und daß die überwiegende. Mehrheit derselben unter den obwaltenden Verhältnissen ihrer Pflicht beim besten Willen nicht zu genügen vermag, darin ist Herr Raemy vermutlich mit mir einig. Ich bin durchaus kein Schwarzseher; aber den heutigen Stand der Dinge für erträglich zu halten, wo er doch unerträglich ist, und ihn mit Worten abzufinden, wie „Der Sabbat ist nun einmal eine jüdische Einrichtung; also hat die jüdische Gemeinde die Pflicht, ihn zu pflegen," das ist mir unverständlich. Lange genug, nur allzu lange, haben wir Vogelstraußpolitik getrieben, zum Schaden des Judentums im Allgemeinen und des Sabbats im Besonderen. Es ist die allerhöchste Zeit, daß wir die Politik des Nichtsehenwollens aufgeben; hoffentlich ist es noch nicht zu spät. Wenn Herr Raemy auf das moderne Seelenleben hinweist und behauptet, die allwöchentliche Nervenausspannung werde heutzutage als ein viel größeres Bedürfnis empfunden als der Besuch des Gottesdienstes, so hat er damit gewiß einen sehr wichtigen punft berührt; aber mit der ungünstigen Lage des jüdischen Sabbats gegenüber dem kirchlichen und staatlichen Sonntag hat das nichts zu tun. Auch über die Reformbedürftigkeit unseres Gottesdienstes bin ich mit ihm derselben Meinung, auf diesem Gebiete stecken unsre Gemeinden noch vollständig in den Kinderschuhen; allein auch dieser punkt liegt etwas abseits von unferm Thema und hat eine besondere Behandlung zu beanspruchen. Wenn sich Herr Raemy nun aber im Namen der Jugend dagegen verwahrt, daß man ihr etwa einen Sonntagsgottesdienst „aufoktroyiere" und ihr dadurch den freien Tag „verkümmere", so führt er einen Kampf gegen Windmühlen. Wem in aller Welt fällt es denn ein, irgend Jemandem den Besuch des Gotteshauses aufzuzwingen? Ich habe doch nur betont, daß diejenigen, die an dem für sie freien Tage ihr religiöses Bedürfnis befriedigen wollen, es zur Zeit nicht können, weil die Synagoge dem Bedürfnis nicht entgegenkommt. Daß ein solches Bedürfnis tatsächlich vorhanden ist, das beobachte ich seit Jahren an solchen Sabbaten und Festtagen, die mit einem kirchlichen Feiertage zusammenfallen. Auch jüngst am 2. Weihnachtsfeiertage habe ich wieder die Beobachtung gemacht. Die zahlreichen Gotteshausbesucher, das Alter und die Jugend (und nicht etwa nur die Schuljugend, sondern auch die Jugend, die Herr Raemy offenbar im Auge hat), haben den Besuch des Gotteshauses jedenfalls nicht als eine „Verkümmerung" ihres freien Tages angesehen. Ich glaube daher nicht, daß Herr Raemy das Recht hat, im Namen der ganzen modernen jüdischen 'Jugend zu sprechen, er darf es nur im Namen eines Teils derselben tun, meinetwegen eines großen Teils. Und

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