Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 5 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Rundschau. o o o o Rundfchau. Nürnberg, im Dez. $08. Am f. Dezember fand in Nürnberg im großen Saal des Hotel „Goldener Adler" die erste öffentliche Versammlung der Liberalen Vereinigung statt. Lin zahlf)ublikum — die zur Mitarbeit aufgerufenen Frauen stellten ein großes Kontingent — war erschienen. Herr Schuldirektor G o m b r i ch begrüßte die Versammlung. Lr gab der Freude über die rege Beteiligung Ausdruck und erklärte, daß der Verein, dem schon mehr als H50 Mitglieder beigetreten feien, mit dem heutigen Abend die Reihe der Vorträge eröffne, die das Interesse für jüdische Dinge auch in weitere Kreise zu tragen bestimmt sind. Ls sollen sowohl Fragen, die die jüdische Gesamtheit als auch speziell hiesige Gemeind everhältnisse betreffen, in aufklärendem Sinne erörtert werden. Darauf erteilte er Herrn Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt a. M., der sich auf Ansuchen des Vereins für diesen ersten Abend zur Verfügung gestellt hatte, das Wort zu seinem vortrage: „Ueber die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland". Der Vortrag, der demnächst im Druck erscheinen wird, fand reichen Beifall. Lr war von edler, religiöser Wärme durchhaucht und zeugte auch seinerseits dafür, daß tiefes verlangen nach Religion und Sorge für die Zukunft des Judentums zur Gründung der Liberalen Vereinigung geführt haben. Zn der Diskussion bemerkte Herr Zustizrat Witlelshöfer-Fürth, er wünsche, daß die neue Zeitschrift nicht nur allgemeine Betrachtungen enthalten, sondern auch in die Erörterung einzelner Punkte eintreten möge. Ls würde doch viel zur Klärung über die Ziele der Liberalen Vereinigung beitragen, wenn die Entstehung und der Zweck religiöser Zeremonien und Einrichtungen wissenschaftlich untersucht und die Gründe besprochen würden, die zur Abschaffung oder Aenderung berechtigen. Zhm erwiderte Herr Rabb. Dr. Freude n t h a l: erst müssen wir eine große liberale Bewegung auf allgemeiner Grundlage schaffen. Die Rabbiner und Gemeinden müßten' sich in dem Erfassen des liberalen Gedandens finden und stärken, bevor sie an die Verständigung über einzelne Punkte hexantreten könnten, wofür zunächst der liberale Rabbinerverband das Forum sei. — Dr. Seligmann, als Redakteur der Monatsschrift, bat im Anschluß an die Worte des Herrn Zustizrats Wittelshöfer, daß doch die Nicht-Theologen mehr als bisher sich für die Monatsschrift zu Worte melden sollten. Zeder Beitrag, jede Anregung, alle Wünsche aus den weiten Kreisen des nicht-theologischen religiös interessierten Zudentums seien hoch willkommen. Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte mit großem Znteresse den Erörterungen des Abends und gab wiederholt ihrem Einverständnis mit den Ausführungen Ausdruck. Wir hoffen, daß die ausgestreuten Anregungen kräftig nachwirken und der liberalen Sache immer weitere tätige Anhänger zuführen werden, wie denn auch am Abend selbst alsbald eine ganze Anzahl neuer Mitglieder der Vereinigung beitraten. Weitere Versammlungen, über welche demnächst berichtet werden soll, fanden in anderen süddeutschen Gemeinden statt. Ueberallhin trugen die Versammlungen neues religiöses und jüdisches Znteresse. Lerausgegeöen von der Vereinigung für öas liberale Judentum Äerlin C 2, Heiligegeiststraße 52 Aür die Redaktion verantwortlich Dr. Ä. Letigmann, Arankfurt a. Al., Viefenau 50. Druck und Expedition von Voigt <8s Äleiber, Drankfnrt a. Al., Vibergasse 6.