Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 5 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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/liberales Judentum JTlonatsfdirift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffchland unter der Redaktion von Sr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. m. No. 5. Jahrgang 1. 1909. Wie gewinnen wir untere Kinder für das Judentum? Grundlinien zur Verständigung über den jüdischen Religionsunterricht. Von Dr. C. Seligmann. Der Religionsunterricht ist so zu gestalten, daß er die gesicherten Ergebnisse der Wissenschaft berücksichtigt, die Entwicklungsfähigkeit des Judentums anerkennt, dadurch die Schüler mit Liebe zum Judentum erfüllt und sie nicht in Gegensatz zum Llternhause bringt. Aus bem Vrogramm ber Vereinigung für bas liberale Judentum in Deutschlanb. "Ts er berühmte Pädagoge Niemeyer beginnt seine Methodik des Religionsunterrichtes mit folgenden Worten: „Das erste Gesetz für den Lehrer, der in der Methode seines Unterrichtes planmäßig verfahren will, ist, sich das Bedürfnis derer, welche er unterrichten soll, aufs deutlichste und bestimmteste zu denken. Davon allein hängt die Materie und die Form, das was und das wie er lehren soll, ab." Ich unterschreibe diesen Satz mit einer — eigentlich selbstverständlichen, von Niemeyer zweifellos zugestandenen Einschränkung. Nicht das Bedürfnis der zu Unterrichtenden allein bestimmt Materie und Form des Religionsunterrichts, sondern dieses in Verbindung mit dem Begriff und Zweck des Religionsunterrichts. Zuerst müssen wir uns klar sein, was der Unterricht in der jüdischen Religion bedeutet, was er bezweckt, worauf es dabei ankommt, ehe wir für das Was und Wie und wieviel uns entscheiden können. welches ist der Begriff und der Zweck des jüdischen Religionsunterrichtes? Maybaum in seiner Methodik bezeichnet als Idee und Zweck des jüdischen Religionsunterrichtes „das Ideal der Gottesebenbildlichkeit nach der Auffassung des Judentums dem Zögling einzuprägen und ihn dadurch zu einem opferfreudigen Bekenner der Glaubensgemeinde zu erziehen." Raatz, der in seiner Broschüre „Wesen des jüdischen Religionsunterrichtes" in grundlegenden Punkten gegen Maybaum polemisiert, meint: „In nichts anderem kann und darf auch die Gegenwart das Wesen des Religionsunterrichts erblicken, als in der Einprägung der Gottesfurcht, als in dem Streben, der Jugend die Verehrung für das jüdische Lebensideal einzuflößen und ihren Willen nach dem einen Ziel zu lenken, dieses Lebensideal durch einen ihm entsprechenden Wandel zum Ausdruck zu bringen. Iiroh im jüdischen Sinn ist Anfang und Ende des Religionsunterrichts." Ohne mich auf eine Kritif der angeführten Definitionen — im engen Rahmen dieses Aufsatzes — einlassen zu können, ohne meine Ansicht näher zu begründen, stelle ich diesen beiden Definitionen eine dritte schärfer präzisierte Definition gegenüber: