Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 4 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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o o 0 o Nr. Reich: Aus dem Areslaner Gemeinde- und Gemeinde-Urreinsleben 93 und Stellvertreter aufgestellt würden. Ich möchte vorgreifend hier mitteilen, daß erst drei Jahre später diese Anordnung des Wahlmodus, die eine Statutenänderung zur Vorbedingung hatte, vom Vorstände dem Repräsentantenkollegium unterbreitet wurde, damals aber nicht die erforderliche Zweidrittel- Riaforität fand. Im Laufe dieses Sommers wurde sie dem Kollegium bei einer umfassenden Beratung einer Statutenänderung von neuem vorgeschlagen und ist in erster Beratung mit großer Stimmenmehrheit beschlossen worden. Inzwischen ist auch die zweite Lesung erfolgt mit dem Resultate der definitiven Annahme der neuen Wahlordnung. Wenden wir uns nun wieder in chronologischer Reihenfolge der Tätigkeit unseres Vereins zu, so möchte ich aus der Zeit nach den für $00 erfolgten Repräsentantenwahlen unser Bemühen hervorheben, in einem der Zweiggottesdienste während der hohen Feiertage den modernen Gottesdienst, entsprechend dem in der „Neuen Synagoge" zur Einführung zu bringen, also mit Thor, Grgel und dem Ioel'schen Gebetbuche. Wir gingen von der Erwägung aus, daß ein großer Teil unsrer Glaubensgenossen und insbesondere die sunge Generation, die wegen Raummangels dem Gottesdienste in der Reuen Synagoge nicht beiwohnen konnte, dem nach altem Ritus abgehaltenen Gottesdienste in den Zweiganstalten entfremdet seien, reine rechte Erbauung in ihm mehr fänden und sich sonach des Besuches der Gotteshäuser immer mehr entwöhnen würden. Unsere eingehend motivierte und mit ausführbaren Vorschlägen versehene Petition fand bereitwillige Aufnahme beim Gemeindevorstande und die Zustimmung der Repräsentanten, so daß die neue Einrichtung im selben Jahre zur großen Genugtuung und Zufriedenheit der Besucher des Zweiggottesdienstes ins Leben trat. Roch mit einer anderen bedeutungsvolleren Angelegenheit beschäftigten wir uns im nächsten Jahre, mit der Frage über die hygienische Bedeutung der Beschneidung. In einem ausgezeichneten, von wissenschaftlichem und sittlichem Ernst getragenen Vortrage besprach Herr Dr. Tarl Alexander in einer außerordentlich zahlreich besuchten Versammlung unseres Vereins diese Frage, und kam zu dem Resultate, daß die Beschneidung in hygienischer Beziehung unbedingt zu empfehlen sei, daß sie unter den Rautelen der Gegenwart keinen Schaden bringen, vom Standpunkt der Hygiene nur Vorzüge aufzuweisen habe. Eine angeregte Debatte, an der Rabbiner und Aerzte, Freisinnige und Mrthodoxe teilnahmen, lieferte den Beweis, daß wir Liberalen keine Radikalen sind, die alles Umstürzen wollen. — Ich möchte hier bald die Bemerkung anschließen, daß wir in unserer Generalversammlung oft die Freude hatten, geistreiche, anregende und aufklärende Vorträge zu hören, so von Dr. Rarpeles über „Juden und Judentum im $. Jahrhundert" und einen zweiten Vortrag von demselben über „Die Zukunft des Judentums". Unser Landsmann Herr Iustizrat Joel sprach über den „Liberalen Gedanken" im Judentum. Auf den Vortrag des Herrn Rabbiner Fabian: „Die Stellung der Juden zur neuen preußischen Volksschulgesetz-Vorlage" komme ich noch weiter unten zurück. Inzwischen rückte die Zeit der Repräsentantenwahlen, zum zweiten Mal seit dem Bestehen unseres Vereins, heran. Auch dieses Rial leitete ich die Vorbereitung zu den Wahlen mit einem Rückblick auf die Tätigkeit des Gemeindevorstandes im zu Ende gehenden Triennium ein. Dieses Triennium bildete einen ganz besonderen Rlerkstein in der Geschichte und Entwicklung unserer Gemeinde. In diese Zeit