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Liberales Judentum · 1908-01-01 · 4 (1908) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
4 (1908)
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ßberales Judentum JTlonatsfchrift für die religiösen Interellen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffchland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in frankfurt a. m. Ho. 4. Jahrgang 1. 1908. liberales Judentum in feinem Zufammenhang mit dem Zeitbemu^tfein. Von Dr. IRax Dienemann-Ratibor. m Augenblick, da eine aufstrebende Bewegung zur Neuerweckung religiösen Lebens in unserer Mitte einsetzt und damit von selbst das Eingeständnis gemacht wird, daß schwere innere Schäden vorhanden sind, ist es Bedürfnis, diese Bewegung in ihrem Zusammenhänge mit dem Zeitbewußtsein zu begreifen, nicht in dem Sinne einer Unterwerfung des Judentums unter Modegedanken, einer Modernisierung des Judentums, sondern nach der Richtung, daß wir einerseits die Schäden, an denen wir kranken, als unseren Anteil an den auflösenden Wirkungen des modernen Kulturbewußtseins erkennen, nicht als eine Krankheit des Judentums, das seine werbende Kraft eingebüßt hätte, und daß wir anderseits die positiv fördernden Elemente des Seelenlebens der Gegenwart für uns fruchtbar machen. Dieser Aufgabe sollen die folgenden Zeilen nähertreten. Da beantworten wir zunächst die Frage: „Mas ist liberales Judentum?" I Es ist notwendig, gleich von Anfang an zu betonen, daß sich das Wort „Liberales Judentum" eigentlich nur seiner Kürze halber im Sprachgebrauch eingebürgert hat, um das langatmige Wort: „religiöser Liberalismus innerhalb des Judentums" zu vermeiden, daß man sich aber von vornherein dessen bewußt sein muß, daß das Wort „Liberales Judentum" in seinem strengen wortsinn nicht ganz richtig ist. Denn es kann in der Tat nur ein Judentum geben und gibt nur ein Judentum, das an und für sich weder liberal noch orthodox, noch konservativ — oder welche Beiworte man sonst noch hinzufügen will — ist; „orthodox" und „liberal" bezeichnen die Stellung des Individuums zu den religiösen Fragen, bezeichnen die Denkart und Anschauungsweise, aus der heraus der Einzelne die Ideen und Formen der Religion wertet. Fragen wir also korrekter: „was verstehen wir unter einem liberalen Juden?" (wobei erst wohl nicht besonders gesagt zu werden braucht, daß wir bei dem Worte liberal hier in keiner Weise an die politische j?arteifarbe denken). Es ist das entscheidende Kennzeichen des liberalen Juden, daß er sich auch für die Sphäre des Religiösen der Freistellung seiner Persönlichkeit bewußt ist. Das unterscheidet ihn, daß er jede Bindung durch äußere Autorität — und sei sie auch eine geistige Autorität — streng ablehnt. Dadurch, daß man sich nicht als gebundene Persönlichkeit fühlt, sondern sich auf sich selbst stellt, gewinnt man die Möglichkeit, ja das

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