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Liberales Judentum · 1908-01-01 · 3 (1908) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
3 (1908)
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ßberales Judentum monatsfdirift für die religiöfen Intereffen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in DeutfÄland unter der Redaktion von vr. Caefar Seligmann, Rabbiner in?rankfurt a. Ul. No. 3. Jahrgang 1. 1908. Zu Schutz und Trutz. Von Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin. rst wenige ZTtonate sind seit der Gründung der „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" verflossen, und schon hat sich ein gut Teil der Hoffnungen erfüllt, mit denen diese Gründung begrüßt wurde, schon mehren sich die Anzeichen, daß der beklagenswerte Indifferentismus auf religiösem Gebiete, unser gefährlichster Feind, zu weichen beginnt. An vielen Mrten regt sich das Interesse am Judentum, und neues Leben blüht aus den Ruinen. Manche, die an der starren Form der Religion Anstoß nahmen und sich ihr darum entfremdet hatten, kehren zu ihr zurück, wenden ihr wieder Teilnahme zu, da das Programm der liberalen Vereinigung die Aussicht bietet, unter pietätvoller Rücksichtnahme auf die Ueberlieferungen der Vergangenheit eine Verjüngung des Judentums, eine Aussöhnung zwischen Lehre und Leben herbeizuführen. Darüber sollten alle, die es mit unserer altehrwnrdigen Religion treu meinen — welcher religiösen Richtung sie auch angehören — sich innig freuen, zumal da ja denen, die nicht auf liberalem Standpunkte stehen, durch die Bestrebungen der „Vereinigung" nicht der alleMeringste Abbruch geschieht. Doch weit gefehlt! Line orthodoxe R i ch t u n g, die in eitler Selbstüberhebung und in fanatischer Unduldsamkeit nur i h r I u d e nt u m als das einzig berechtigte anerkennt und für das religiöse Bedürfnis der überwiegenden Mehrheit der deutschen Iudenheit kein Verständnis hat, die trotz der klarsten Beweise vom Gegenteil, die geschichtliche Entwicklung oes Judentums, dessen äußere Formen zu allen Zeiten dem Wechsel unterworfen waren, rundweg ableugnet, hat sich nicht gescheut, in einem über ganz Deutschland verbreiteten Flugblatt unser ehrliches, auf die Hebung des religiösen Lebens gerichtetes Bemühen zu verdächtigen und unser Programm in einer Weise zu mißdeuten, die geradezu als eine Verdrehung und Fälschung zu bezeichnen ist. Oder ist es etwa nicht eine Fälschung, wenn im direkten Gegensätze zu der in unserm Programm aufgestellten Forderung, „den ewigen Gehalt und die unveränderlichen Grundlagen der jüdischen Religion in Erscheinungsformen zum Ausdruck zu bringen, die unserer Zeit angemessen sind," in dem orthodoxen Pamphlet kühn behauptet wird: „Nach den Grundsätzen der liberalen Vereinigung seien nicht die Thora und nicht die

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