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Liberales Judentum · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 47

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 47 (sequence 23)
Language
German
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o o o o Aphorismen. 47 finden sich offenbar in einer Übergangsperiode, die nicht übersprungen werden kann. Zu den Talmudisten, deren Rabbiner sich lediglich um Beobachtung des Zeremonialgesetzes bekümmern halten sich aus naheliegenden Gründen alle hiesigen jüdischen Wucherer, Diebe und Diebeshehler. Sie bilden das streitbare Heer der talmudischen Rabbiner und ihrer befangenen, zum Teil fanatischen Anhänger." Nicht nur der Polizeipräsident, sondern auch der Adressat, der Minister des Innern, lieh diesem Vorgänge eine solche Aufmerksamkeit, daß er den oben abgedruckten Passus des Polizeiberichts am s5. April dem Könige übersandte mit folgendem Anschreiben: „In dem alleruntertänigsten Bericht vom 5. November \839, welchen ich wegen Naturalisation des von der Iudenschaft in Breslau gewählten Dr. Abraham Geiger aus Frankfurt a. M. gemeinschaftlich mit dem Minister der geistlichen Angelegenheiten erstattet habe, ist bereits ehrerbietigst bemerkt worden, daß jene Wahl ihrer Einstimmigkeit ungeachtet, von seiten einzelner Mitglieder der Iudengemeinde um deswillen Widerspruch gefunden habe, weil man von dem Dr. Geiger als einem Neologen die Einführung eines neuen, statt des rituellen jüdischen Gottesdienstes befürchtete." Ls ist selbstverständlich hier nicht der Grt, auf diese letztere Bemerkung einzugehen. Auch eine Linzelkritik des Polizeiberichts soll nicht gegeben werden. Zwei seiner Bemerkungen indessen dürfen nicht unberichtigt bleiben. Zunächst zwingt die Gerechtigkeit zu der Bemerkung, daß die ParteiTiktins durchaus nicht aus lauter Wucherern, Dieben und Diebeshehlern und Fanatikenn bestand, wichtiger ist ein Widerspruch gegen die Bemerkung des Polizeipräsidenten, daß sich die Gedanken der Reformer dem Christentum näherten. Dem christlichen Beamten mochte es scheinen, daß die Einnahme deutschen Wesens und die Festigung freisinniger Anschauungen durch die Juden sie überhaupt dem väterlichen Glauben entferne; er brauchte nicht zu wissen und konnte nicht ahnen, daß es sich hierbei nur uni eine innere Umwälzung, keineswegs aber um ein Aufgeben der religiösen Grundsätze und Ueberzeugungen handelte. Üpbori5men. eform ist das Moment der jüngsten Generationen, deren Aufgabe es ist, in der. religiösen Form das wahrhaft Zeitgemäße zur Herrschaft zu erheben, die fortgeschrittenen Ideen durch Institutionen zu erhalten. Zunz (J$5£). Dieses Schisma-Gespenst aber gar, das ist nun gänzlich ein Unding im Judentum; als wenn das Schisma im Leben nicht auf die entsetzlichste weise bestände! . . . Im Grunde aber besteht die Verhütung vor dem größten Schisma, d. h. vor dem Uebertritt eines großen Teiles, einzig und allein in tatkräftiger Reformation. Denn dessen bin ich sicher, es folgt auf diesen Indifferentismus bald ein religiöses Bedürfnis, eine Sehnsucht nach gemütlicher Befriedigung unter den Juden, welche sich überall nach Nahrung umsehen, und ist dann das Judentum noch in seiner Versteinerung, dann sagt man ihm Valet, Geiger (|$37). Es nützt auch nichts, wenn wir Augen und Ohren gegen die Erscheinungen der Gegenwart verstopfen, das Denken als Verderben, den Zweifel als Ausgeburt der Hölle ausrufen und uns in unsere Gefühle und in ein phantastisches Gemütsleben verpuppen. Ls bleibt die Zeit der Häutung nicht aus, dem Eingekerkerten wird das Gehäuse zu enge, er bricht es durch und läßt es als wertlose Schale liegen. Zach. Krankel (|$44). Die in vielen jüdischen Gemeinden bereits erfolgte Umgestaltung des gottesdienstlichen Wesens, das lebhafte und dringende Verlangen, das sich in noch mehreren anderen nach einer solchen regt, sind nicht zufällige Erscheinungen, so gern man auch von einer gewissen Seite her dergleichen als unberechtigt oder gleichgültig, als Nachahmungen oder Annäherungsversuche an unjüdische weisen verdächtigen oder als eitle Lust an äußerem, inhaltsleerem Schein- und Schauspielwesen lächerlich machen möchte, wenn auf der einen Seite

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