Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 34. für das Schlujahr 1910-1911 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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ERSTER TEIL. DIE JÜDISCHE EHESCHEIDUNG. 1. CHARAKTER DER JÜDISCHEN EHE. Die Ehescheidung: steht mit der allgemeinen Anschauung von der Ehe in so engem Zusammenhänge, daß es notwendig erscheint, vor Eintritt in die eigentliche Untersuchung die Institution der israelitisch-jüdischen Ehe und die Stellung der Frau innerhalb derselben in großen Zügen zu charakterisieren. Es kann dies für unsem Zweck mit ein paar Sätzen geschehen, welche ich zum Teil J. Benzingers ״Hebräischer Archäologie“ (J. Aufl., Freiburg i. B. und Leipzig 1894) und L. Freunds ״Zur Geschichte des Ehegüterrechts bei den Semiten“ (oben S. 2) entnehme. Findet ersterer, daß bezüglich der Stellung des *Weibes die Sitten des alten Israel ganz auffallend an die des heutigen Orients erinnern, so weist letzterer nach, daß die meisten Sitten bei allen bekannten alten semitischen Völkern sich vorfinden, also gemeinsemitisch sind. Gemeinsemitisch ist namentlich, was für die Auflösbarkeit der Ehe ausschlaggebend ist, die Kaufehe. ״Die Stellung der Frau wird dadurch gekennzeichnet, daß sie ein Eigentum ist, erst ihrer Eltern, die sie verkaufen, dann ihres Mannes, der sie um Geld erwirbt.“ ״Mit der Braut verliert das Elternhaus eine tüchtige Arbeitskraft, die der Familie des Bräutigams zuwächst; dafür darf wohl diese etwas zahlen